Bolivien 🇧🇴

wir reisen durch das ärmstes Land Südamerikas

Hier ist unsere geplante Route:

Villazón – Tupiza – Uyuni – Salar de Uyuni – Potosí – Sucre – Cochabamba – La Paz – Death Road – Coroico – Rurrenabaque – La Paz – Copacabana (Grenzübergang Peru: – Puno – Arequipa – Lima)

Der Grenzübergang von Argentinien nach Bolivien kann man nicht mit einer Busgesellschaft passieren. Wir sind ganz früh morgens von Salta gestartet und am Busbahnhof angekommen, geben wir die letzen Argentinischen Peso aus. Dann laufen wir einmal quer durch das Grenzörtchen La Quiaca und stellen uns an der Grenze an. Die Grenze verläuft entlang eines Flusses und vor der Brücke stehen auf beiden Seiten kleine Häuschen. Viele Träger schaffen Kisten mit Wein, Trauben und Öl auf die Bolivianische Seite. Hilfsmittel gibt es bis auf das Tuch, womit die schweren Güter auf den Rücken geschnallt werden, keine und auch die Frauen schleppen sichtlich schwer.

Das Ausstempeln funktioniert reibungslos und wir erhalten jeweils einen Papierschnipsel, den wir für die Ausreise aufbewahren sollen. Erst einen Tag später stellen wir zufällig fest, dass der Beamte Simon einen falschen Ausdruck mit falschem Namen ausgehändigt hat…wir sind gespannt ob die Ausreise nun auch so reibungslos funktioniert und er wieder ausreisen darf?! Wir laufen über die Brücke und suchen den Grenzbeamten am Schalter, um in Bolivien einzustempeln. Ein Polizist zeigt auf einen Aushang, der glücklicherweise auf Englisch ist. Man hat vor Kurzem den Grenzübergang vereinfacht und so gilt der Ausreisestempel gleichzeitig als Einreisestempel nach Bolivien. Das hatten wir vorher nicht gewusst, aber sind happy nicht noch länger anstehen zu müssen. Zu Fuß geht es also nun durch Villazón auf der Suche nach einem Geldautomaten, damit wir in den nächsten Bus steigen können. Beides ist nach kurzer Zeit gefunden und im Minivan fahren wir noch eine gute Stunde bis Tupiza.

Tupiza

Verschlafenes Nest und Ausgangspunkt für alternative Touren in die Salzwüste „Salar de Uyuni“

Ursprünglich war es unser Plan gewesen von Tupiza aus eine viertägige 4×4 Tour zu machen, die in Uyuni endet. Jedoch haben wir um San Pedro de Atacama bereits mit dem Camper die bizarre Landschaft, Lagunen, Geysire erkundet und Flamingos beobachtet. In Argentinien waren wir 8 Tage mit dem Motorrad unterwegs und sind in den Salinas Grandes selbst über Salz gebrettert. Hätten wir dies nicht erlebt, wäre die hier ähnliche Landschaft bei einer viertägigen Tour sicher ein Highlight unserer Reise gewesen. Die Touren ab Tupiza sind sicher eine gute Wahl auf einer nicht ganz so touristischen Strecke wie sie eher zwischen San Pedro de Atacama und Uyuni üblich ist. Außerdem sagt man den Fahrern auf dieser vielbefahrenen Strecke ein Alkoholproblem nach, was uns tatsächlich auch später die Dame bei der Agentur in Uyuni bestätigen wird.

Wir verbringen also 3 Nächte in Tupiza und genießen die ersten bolivianischen Vibes. Sicher fühlen wir uns hier allemal und wir laufen auch im Dunkeln aus dem Zentrum zurück in unsere Unterkunft. Auch wenn der kleine Ort Tupiza nicht Zentrum der Demonstration und Ausschreitungen von vor ein paar Wochen war, fallen uns direkt die Wahlkampanien von Evo Morales auf. Überall an freien Flächen, auf Steinen und Mauern steht „Evo Presidente 20-25“ oder „Evo Si“ und oft sind sie übersprayt mit „No“, „No Mas“ und „Fraude“. Ein Land das momentan politisch zerrissen scheint, jedoch vorerst ruhig ist, bis vermutlich die Neuwahlen anstehen. Es gibt aktuell keine Demonstrationen oder Straßenblockaden, sodass ihr zu Hause euch keine Sorgen um uns machen müsst. Statt nur einen kleinen Ausflug in die Salzwüste, wollen wir nun doch das ganze Land bereisen.

Wir erkunden den Ort, die Märkte und die regionale Küche. Die Lokals essen erstaunlich gern Pizza und es gibt in Tupiza ein ganz kreatives Restaurant namens „Tu Pizza“ haha. Wir sind happy das Humidas auch in Bolivien verbreitet sind und essen den leckeren Maissnack im Maisblatt auf dem Markt. Wir entdecken jedoch auch andere bizarre Dinge auf dem Markt, so wie getrocknete Lamababies und allerlei anderes „Hokuspokus“. Das Vergraben eines Lamafötus unterm Fundament eines neu errichteten Hauses soll den zukünftigen Bewohnern Glück, Schutz und Reichtum bescheren. Es ist ein Geschenk an „Pachamama“, Mutter Erde und uralte Tradition. Ob die Lamababies tatsächlich nur Totgeburten sind, können wir nicht bestätigen.

An den Ständen der lokalen Märkte entdecken wir außerdem massenweise rote und gelbe Unterwäsche. Sie soll Glück bringen, wenn man sie in der Silvesternacht trägt. Rot für die Liebe und gelb für Reichtum. Wir haben allerdings nicht rausfinden können, was einem im neuen Jahr beschert, wenn man einen Vogel drunter trägt? 😂

Am Tag vor der Silvesternacht werden überall Böller und Feuerwerkskörper verkauft. Wir decken uns nur mit einem Paket Wunderkerzen ein. Außerdem ist es Brauch falsches Geld eingebettet auf Grünzeug und anderer Deko in der Silvesternacht zu verbrennen.

Auf der Suche nach ein wenig Silvester Bling Bling finden wir einen Stand von ein paar süßen Schulkindern betrieben. Ein kleines Mädchen begutachtet uns ganz neugierig und traut sich erst mit ihrer großen Schwester zum Hallo sagen rüber zu kommen. Wir entscheiden ein selbstgebasteltes Hütchen für Ulrike und eine Krawatte für Simon zu kaufen. Die Kinder sind mächtig stolz und freuen sich uns etwas verkauft zu haben. Ganz aufgeregt traut sich das kleine Mädchen ein Foto mit den exotischen Einkäufern zu machen. Grundsätzlich geben wir bettelnden Kindern kein Geld, weil wir es nicht korrekt finden das Eltern die Kinder zum Betteln statt in die Schule schicken. Ein kleines Schulprojekt wie dieses unterstützen wir jedoch gerne und die glücklichen Gesichter hättet ihr mal sehen müssen!

Wie feiert man denn Silvester in Bolivien?

So genau wussten wir es auch nicht und fanden es ganz spannend an einem absolut untouristischen und kleinen Ort ins neue Jahr zu starten. Großes Feuerwerk und schicke Parties, für die wir eh kein Outfit dabei gehabt hätten, gibt es sicher in jeder größeren Stadt auf der Welt. Wir fragen im Hotel und beim Einkaufen nach und beide empfehlen uns so gegen 22-23 Uhr auf dem Hauptplatz zur Fiesta zu gehen. Bewaffnet mit unseren schicken Accessoires, Bier und Sekt gehen wir der Empfehlung nach. Um 23 Uhr ist noch nicht allzu viel los, da der Silvesterabend hauptsächlich im Freundes- und Familienkreis zu Hause gefeiert wird. Wir tun es den Bolivianern nach und setzten uns ganz Stilecht mit Plastikbecher auf die Parkbank und warten ab was passiert. Kurz vor Mitternacht füllt sich der Platz ganz langsam mit Groß und Klein. Aus der Ferne hört man Trommeln und Flöten näher kommen und am Ende sind es 3 Karnevalsgruppen, die mit Trommeln und Tanz das Neujahr einläuten. Viele schließen sich den Gruppen an und drehen tanzend unendliche Runden um den Platz. Konfetti wird nach Mitternacht über die Köpfe gestreut und natürlich dürfen auch ein paar Böller und Feuerwerk nicht fehlen. Sehr lustig finden wir die traditionell gekleideten Frauen, die mit einem Büschel Maisblättern herumwedeln. Wir sind die einzigen Gringos auf dem Fest und genießen das Spektakel.

Neujahr schlafen wir aus und gehen erst spät auf Essenssuche, was gar nicht so leicht ist, da fast alles geschlossen hat. Neujahr ist auch hier Feiertag und viele lassen sich am oder bis zum heutigen Tag volllaufen. Wir finden ein paar Schnapsleichen und einige, die noch nicht genug haben, sitzen mit Flaschen bewaffnet auf der Ladefläche eines Pickups und lassen sich vom hoffentlich nüchternen Fahrer herumfahren. Wir finden ein geöffnetes Parilla Restaurant, jedoch gibt es nur noch verkohltes Fleisch auf dem Grill, keine Beilagen mehr und der Kellner hat eine üble Fahne. Wir suchen weiter und haben schon Bedenken bei „Tu Pizza“ zu landen, als wir ein kleines Restaurant finden. Es ist unsere einzige Option heute etwas zu Essen zu bekommen und Lomito und Milanese schmecken besser als erwartet.

Wir machen noch einen Spaziergang und laufen zur Chistusstatue hoch. Von hier oben hat man einen schönen Blick über Tupiza und heute ist auch der bisher schönste und wärmste Tag. Für größere Wanderungen durch die bizarren Felslandschaften war das Wetter leider zu unbeständig. Am ersten Abend hatte es ein heftiges Gewitter gegeben, mit lautem Donner und pinken Blitzen, die die Straßen taghell erleuchtet haben. Ulrike hatte richtig Angst bei dem heftigen Gewitter draußen rumzulaufen. Wir hatten es gerade so noch heim geschafft, bevor es ordentlich angefangen hat zu schütten.

Am 2. Januar geht das normale Leben im Örtchen weiter und wir fahren mit dem Bus weiter nach Uyuni. Am Busbahnhof werden die Städte ausgerufen, wie von Marktschreiern. Säcke mit Lebensmitteln werden unten in den Bussen verfrachtet. Wir haben Glück noch Plätze in einem passablen, großen Bus zu ergattern und das unser Rucksack in einer anderen Klappe als das ganze Grünzeug Platz findet. Simon tauft den neben uns stehenden Schrottbus „Cruz del Muerte“, denn wer mit diesem Gefährt lebend ankommt, kann sich glücklich schätzen.

In Deutschland wäre es undenkbar, dass dieser Bus eine Straßenzulassung erhält und wir würden da auch nicht einsteigen. Hier in Bolivien müssen wir wohl dennoch wieder etwas Komfort und Hygiene einbüßen, denn die super ausgestatteten Busse wie von „Cruz del Sur“ in Peru gibt es eher weniger. Auch auf den öffentlichen Toiletten kann man sich freuen, wenn es fließendes Wasser gibt. Ansonsten wird eben mit Kanistern aus der Tonne geschöpft… Grundsätzlich finden wir es bisher in Südamerika aber viel sauberer und weniger vermüllt als in Südostasien.

Cafayate 2.0

Wir kehren zurück in dieses wunderschöne Örtchen, da wir 1 Tag auf der Motorradreise einfach zu kurz fanden. Unsere letzte Unterkunft dort war über Weihnachten ausgebucht, aber da wir alternativ in Salta Weihnachten verbracht haben, ist danach ein Zimmer frei und wir checken wieder im gemütlichen und blitzsauberen Zimmer ein. Der Busbahnhof liegt zwar auf der anderen Seite des Ortes, aber Cafayate ist recht klein und so kann man die 1,5 km bis ans andere Ende locker mit Gepäck laufen. Wir machen unterwegs dennoch für ein spätes Mittagessen halt und die in Argentinien wesentlich kleineren Empanadas, werden hier mit einer scharfen Tomatensalsa gereicht. Wir erkunden diesmal den nördlichen Teil des Städtchens zu Fuß, verpassen Simon einen neuen Haarschnitt und kaufen Gemüse fürs nächste Mittagessen. Ulrike verhandelt mit einem Melonenverkäufer, da wir niemals eine riesige Melone in 2 Tagen verputzen können. Eine halbe kleine Melone soll es werden, aber schließlich verlässt sie den Stand mit der ganzen Melone. Auf der anderen Straßenseite hatte ein älterer Mann sie beobachtet und will nun wissen wie viel Geld sie gelassen hat. Er nickt zufrieden! 😂

Der nächste Tag wird ein Freibadtag, denn irgendwie haben wir grad nicht mehr so viel Lust auf Weinverkostung…warum nur?! Das Schwimmbad ist riesig und liegt direkt neben dem Busbahnhof, jedoch hatten wir es beim ersten Besuch gar nicht wahrgenommen. Wir sind fast die einzigen Gäste zur Öffnung um 11 Uhr und genießen die Ruhe. Ulrike zieht eine ganze Stunde Bahnen und endlich kommt die Schwimmbrille nochmal zum Einsatz. Nur in Iquique, Chile war der Pool grad groß genug um ein wenig zu schwimmen – hier ist die Bahn mindestens 100m lang. Der Grund warum das Schwimmbad mittags so leer ist, ist vermutlich das man sich im Wasser fürchterlich den Pelz verbrennen kann…da hilft auch später nur noch im Schatten liegen und Melone essen nichts.

Als es gegen 16 Uhr so richtig voll wird, laufen wir Heim. Eine Spezialität in Cafayate ist Weineis und so probieren wir das erfrischende Torrontés-Eis auf dem Heimweg. So ganz ohne Promille kommt man in Cafayate wohl doch nicht durch den Tag, wobei wir nicht so genau wissen wie viel Umdrehungen das Weineis hatte.

Das „Mittagessen“ kochen wir erst um 18 Uhr und soll nur als Vorspeise dienen, denn wir wollen zu späteren Stunde noch Fleisch essen bevor wir Argentinien bald schon verlassen. Es ist ohnehin nur unsere Portion Gemüse und die Restaurants öffnen, wie ihr nun auch wisst, erst sehr spät. Wir hatten einen Laden empfohlen bekommen für Asado oder auch Parilla genannt, gut schmecken jedoch nur die Empanadas bei „El Hornito“. Sie werden auf Holzkohle in 2 Öfen auf der Straße vor dem Restaurant gebacken und es qualmt ganz schön. Das „Lomo de bife“ ist jedoch dünn und zäh wie eine Schuhsole…eine Schande für jeden argentinischen Koch! In Deutschland hätten wir es ihm um die Ohren gehauen, aber so schlagfertig sind wir noch nicht in Spanisch. Egal, morgen wollen wir nochmal auf dem Weingut unser bisher bestes Steak in Argentinien essen gehen…doch wenn wir uns da mal nicht täuschen…

Wir starten den nächsten Tag wieder mit argentinischem Frühstück gepimpt mit ein paar Vitaminen und dödeln ein bisschen im Garten rum. Es ist heute ein super heißer Tag!

Dann entscheiden wir uns mit dem Taxi zum Weingut „Finca de las Nubes“ hochzufahren. Denn in der Mittagssonne zieht sich der Weg über ein paar Kilometer ohne Schatten ganz schön. Wir nehmen gemütlich Platz in dem wunderschönen Garten mit Blick über die Stadt und freuen uns bereits auf ein leckeres Steak. Wir verstehen nicht warum, jedoch gibt heute kein Fleisch! Wie blöd, dass wir nun doch umsonst mit dem Taxi hochgefahren sind, obwohl Simon gestern noch abgeklärt hat das das Restaurant zwischen den Jahren überhaupt offen ist. Jetzt direkt runter zu laufen ist, sowie die Taxifahrt in eine andere Bodega, ist keine Option…zumal man bei der Hitze hier oben im Schatten mit leichter Brise echt toll sitzt. Wir wollten hier eigentlich ein bisschen am Blog arbeiten. Aus Mangel an Alternativen bei nur 2 Hauptgerichten auf der Karte und vor lauter Verzweiflung bestellen wir ne Flasche Torrontés und eine Käseplatte. Heute lautet das Motto “Defrustation” statt “Degustation” und es scheint zu wirken. Wir chillen auf der Decke und statt zu bloggen erzählen wir aus unserem Leben. Auch nach über 5 Jahren und fast 1,5 Jahren 24/7 auf Reisen gehen uns die Gesprächsthemen noch nicht aus.

Gut angetüddelt laufen wir die 6 km zurück in die Stadt. Was macht man mit dem angebrochenen Tag? Noch eine Degustation bei der „Bodega El Tránsito“ auf dem Heimweg!

Wir kaufen spontan noch eine leckere Flasche Torrontés fürs Abendessen und haben bereits einen sicheren Plan geschmiedet, um noch ein letztes Mal an gutes argentinisches Fleisch zu kommen: Simon grillt heute selbst! Der Metzger öffnet jedoch Samstagabend erst um 19:30! Echt jetzt? Obwohl eigentlich schockt uns hier nichts mehr. Wir besorgen schon mal Kohle, Zwiebeln und ein Wartebier für Simon. Als der Metzger endlich die Pforten öffnet, hat Simon die Qual der Wahl. Es ist auch nicht so einfach, da die Cuts hier ganz anders heißen. Aber der Metzger berät uns gut und präsentiert viele Stücke. Wir zahlen schlappe 8 EUR für 1,4kg Fleisch – ein riesiges Ribeye und Rinderfilet!

Als wir heim laufen erblicken wir dicke, schwarze Regenwolken…jedoch ist nun alles besorgt und wir müssen Grillen! Es blitzt und grollt in der Ferne während wir den Grill anschmeißen. Heute will doch einfach nichts reibungslos klappen, denken wir! Doch das heftige Gewitter wartet bis wir pünktlich um 22:30 das Filet vom Grill holen. Wir haben uns der späten Abendessenzeit nun also endlich angepasst und ändern das Motto des Tages: Death by meat! 🥩😂

Am nächsten Morgen heißt es schon wieder die Rückkehr nach Salta antreten. Wir haben entschieden wegen den ungünstigen Busverbindungen noch eine kurze Nacht dort zu verbringen, bevor wir über die Grenze nach Bolivien fahren. Wenn wir mit dem 7 Uhr Bus in Salta starten, können wir sicherstellen die Grenze bei Tageslicht zu passieren. Zudem müssen wir uns somit nicht auf die pünktliche Ankunft des Busses in Salta für den reibungslosen Anschluss verlassen, denn man weiß ja nie! Allerdings, denn letzte Nacht kam ein heftiges Unwetter runter und nachdem wir den Fußmarsch zum Bahnhof in Cafayate antreten, können wir das ganze Ausmaß erfassen. Unser Hotel lag glücklicherweise auf der anderen Seite der Stadt und ist etwas höher gelegen. Das Ufer des Flusses vorm Busbahnhof war letzte Nacht übergetreten und eine dicke Schlammlavine war fast bis an den Hauptplatz gerollt. Viel war um kurz vor 10 bereits wieder geräumt, doch immernoch steckten Leute teils knietief mit Schaufeln im Schlamm. Die Polizei, teils barfuß, versucht den Verkehr auf der einzigen Zufahrt über die Brücke zu regeln, während Bagger die Straßen freischaufeln. Viele Schaulustige stehen am Straßenrand und machen uns das Durchkommen noch schwerer. Wir tapsen im Schlamm zwischen den Autos und über die Brücke. Kaum jemand schafft es mit trockenen Füßen zum Bus. Den Busbahnhof hat es nur teilweise erwischt, sodass wir einigermaßen pünktlich wegkommen, doch das schöne kühle Nass im Schwimmbad ist nur noch eine braune Brühe und kein Grashalm mehr auf der Wiese zu sehen.

Zum Glück haben wir keinen Stress, da wir eine Nacht in Salta eingebaut haben. Auch auf der Strecke nach Salta müssen an einigen Stellen ebenfalls Räumungsarbeiten betrieben werden, doch wir kommen recht gut durch. Wir lassen uns nochmal durch die Stadt treiben und essen ein leckeres Eis. Außerdem buchen wir einen Weiterflug! Am 31. Januar fliegen wir von Lima nach Costa Rica. Wir haben nun also noch fast einen Monat Zeit durch Bolivien zu reisen, bevor wir in Arequipa unseren zweiten Rucksack einsammeln und wieder an unseren Startpunkt Lima zurückfahren müssen.

Weihnachten in Argentinien

Wir werden von unserer Airbnb Familie an Heiligabend adoptiert

Wir starten den 24. Dezember erstmal mit einem gemütlichen Frühstück auf der Terrasse. Heute ist wieder wunderbares Wetter und so richtige Weihnachtsstimmung kommt bei der Hitze nicht so richtig auf.

Der wolkenlose Himmel eignet sich wunderbar, um auf den Aussichtsberg „Cerro San Bernando“ hochzuwandern. Von einem großen Park in der Stadt fährt auch eine Seilbahn, doch wir wollen heute noch eine Sporteinheit absolvieren. Tatsächlich laufen auch viele andere die ca. 1000 Stufen in Sportbekleidung hoch. Oben gibt es künstlich angelegte Wasserfälle. Und schaut mal, mein kleines „Perezoso“, spanisch Faultier hängt dort gemütlichen ab! 😂



Bevor wir wieder runter laufen genießen wir die Aussicht über Salta bei einem kleinen Snack im Café.


Anschließend müssen wir noch einkaufen, da am 25. Dezember alles geschlossen ist und bereuen es nicht bereits einen Tag vorher ein paar Lebensmittel besorgt zu haben. Denn auch wie in Deutschland ist der Supermarkt gerammelt voll. Der Einkaufswahnsinn findet jedoch vor allem an der Fleischtheke statt. Wir ziehen ein Märkchen und warten und warten und warten. Simon will nach einer halben Stunde aufgeben, da wir nur 500g Hack benötigen. Die meisten Argentinier machen an Weihnachten anscheinend Asado, also BBQ und die 2 Metzger holen in aller Seelenruhe ein halbes Rind nach dem andern aus dem Kühlhaus und schneiden dem Kunden das gewünschte Stück ab. In eine große blaue Tonne werden die überflüssigen Speckschwarten geschmissen, dicke Beile geschwungen, kiloweise Fleisch in die Theke geschmissen und noch eine Rinderhälfte über die Schulter geschwungen. Es ist ein wahres Spektakel! Gerne hätten wir ein Video für euch gemacht!

Es soll so um 19 Uhr oben auf der Dachterrasse losgehen, hat man uns gesagt. Da die Argentinier es bestimmt auch nicht mit deutscher Pünktlichkeit haben, tauchen wir erst um 19:30 Uhr auf. Wir sind die Ersten und helfen also beim Decken der Festtafel, bespaßen Kind und Hund und probieren schon mal die Getränke. Die anderen 4 Airbnb Gäste trudeln so langsam ein und zu späterer Stunde rückt nach und nach die Familie an. Als die Runde mit ca. 25 Gästen komplett ist, gibt es um 22 Uhr die ersten Snacks. Alles ist hübsch mit Lichtern geschmückt.




Wir sind natürlich wieder super hungrig und freuen uns als nach 23 Uhr richtig aufgetischt wird. Jeder hat heute etwas mitgebracht, hauptsächlich Gerichte mit Fleisch. Für Vegetarier wäre heute nicht viel dabei gewesen. Selene erklärt uns was alles am Buffet steht, aber wir schaffen nicht alles zu probieren. Auch wenn wir uns nicht an alle Namen der Gerichte erinnern, jedes einzelne schmeckt köstlich!



Wir sitzen an der Tafel und am süßesten ist der Opa. Wir versuchen auf Englisch und Spanisch hin und her zu übersetzten. Es reicht nicht für tiefgreifende Gespräche, aber wir fühlen uns sehr willkommen in der Familie. Kurz vor Mitternacht beginnt der Countdown, Wunderkerzen werden angezündet und stille Wünsche zum Himmel geschickt. Feliz Navidaaaaad!!!! Wir stoßen an und es wird herzlich gedrückt. Dann startet das Feuerwerk und von hier oben haben wir die ganze Stadt im Blick!

Es wird noch ordentlich Nachspeise aufgetischt und auch unser (gekaufter) Pie de Limon wird vernascht. Es gibt zudem noch viel mehr Wein und bei Latinomusik wird getanzt und gelacht. Wir quatschten noch lange mit einem Franzosen, der über Workaway einen Monat in dem Airbnb wohnt und arbeitet. Auch ein spanisches Pärchen ist auf Langzeitreise. Das Pärchen aus Uruguay spricht kaum Englisch, wir werden sie aber unverhofft noch 2x in anderen Städten auf der weiteren Reise treffen.


Wie feiert man denn Weihnachten eigentlich in Südamerika und gibt es hier andere Bräuche?

Der Großteil Südamerikas ist streng katholisch und so ist Weihnachten eins der wichtigsten Feste. In fast allen Haushalten wird eine Krippe aufgestellt. Auf den Märkten wird Moos verkauft sowie kleine Figuren. Reichere Familien haben teils sehr große Krippen im Vorgarten stehen, die die ganze Geschichte der Geburt Jesu erzählen. Die Weihnachtsbäume und Beleuchtung darf hier und da, so wie in Deutschland, jedoch auch nicht fehlen. Super finden wir die Deko aus leeren PET Flaschen, alten Autoreifen & Co!



In den Straßen werden überall „Panetones“, große, brotähnlich, süße Gebäckstücke mit Rosinen verkauft. Plätzchenbacken scheint hier nicht so üblich zu sein. Von einem brasilianischen Pärchen, dass wir nach Weihnachten in Cafayate treffen, erfahren wir das man in Brasilien sogar auch eine Art Glühwein trinkt. Den Namen haben wir uns leider nicht merken können.

Weihnachten feiert man ab Mitternacht am 24. Dezember und das Fest endet bereits abends am 25. Dezember. Ab dem 26. Dezember sind viele Geschäfte wieder geöffnet, wobei einige Büros und Geschäfte auch zwischen den Jahren Urlaub haben. Manchmal ist die Bescherung bereits am 24. Dezember nach Mitternacht, die meisten Kinder warten jedoch geduldig bis zum Morgen des 25. Dezember, um die Geschenke auspacken zu können.

Viele Familien besuchen die Mitternachtsmesse, die in Lateinamerika „La Misa de Gallo“ genannt wird. Dies war bei uns nicht der Fall, nur das typische Festessen im Freien und anschließendes Feuerwerk. In Argentinien gibt es noch eine Besonderheit, denn es steigen zudem Papierlaternen auf, die so genannten „Globos“. Die Lichter symbolisieren die Geburt Jesu und den Stern von Bethlehem.

Wir kommen erst spät ins Bett und es herrscht am nächsten Tag schon wieder Katerstimmung. Simon möchte nicht mal mit dem Hund Gassi gehen, umso mehr freut sich der vierbeinige Mitbewohner, dass Ulrike mit ihm eine große Runde durch das Wohnviertel dreht. Das einzig produktive, dass wir heute noch machen, ist eine Maschine Wäsche waschen! 🙈

Wir sind dankbar für die wundervolle Erfahrung Weihnachten inmitten einer argentinischen Familie feiern zu dürfen. Natürlich haben wir an diesen Tagen unsere Freunde, das Weihnachtsfrühshoppen im Hasslicher und ganz besonders unsere Familie vermisst. Auch wenn wir das Reisen lieben, manchmal möchte man sich mal kurz nach Hause beamen.

Salta

Zurück an einem Wohlfühlort

Kurz vor Weihnachten und Ulrikes Geburtstag sind wir nun zurück in Salta. Ulrike hatte sich gewünscht dieses Jahr an einem Ort zu feiern, wo ein bisschen was los ist und es vernünftigen Geburtstagskuchen gibt. Da fiel die Wahl auf die hübsche Stadt Salta nicht schwer. Letztes Jahr hatten wir wegen Krankheit die Etappe bis nach Yangon in Myanmar nicht geschafft und mit recht schlechtem Kuchen den Geburtstag in der Pampa verbracht. Dieses Jahr soll das anders werden und wir haben daher für 5 Nächte ein Hostel im Stadtzentrum mit Pool gebucht. Was ein Fail! Das winzige Zimmer ist extrem hellhörig, da es sich direkt zum offenen Gemeinschaftsraum, Rezeption und Frühstückbuffet befindet. Ab 6:30 gibt es Frühstück und an Schlaf ist dann nicht mehr zu denken… Außerdem gibt es nur ein Fenster zum Gemeinschaftsraum, sodass man das stickige Zimmer nicht belüften kann. Auch die Idee hier ein paar nette Leute zum Feierngehen kennenzulernen, zerschlagen wir bei der komischen Atmosphäre schnell. Eins steht mach Einzug sofort fest: Hier bleiben wir nicht! Das Problem ist nur, dass wir bereits 125 EUR bezahlt haben und am ersten Abend wurde unsere Anfrage auf Erstattung sofort abgelehnt und ein anderes Zimmer gab es auch nicht. Da wir Dauerbucher bei b***.com sind, hatte Ulrike abends noch eine höfliche Email mit der Bitte um Stornierung verschickt und siehe da am nächsten Morgen, als wir ziemlich zerknirscht an der Rezeption stehen, hatte man bereits mit dem Hostelmanager gesprochen. Wir bekommen zum Glück 3 Nächte erstattet und können morgen ausziehen. Eins muss man dem Hostel jedoch lassen: Das Frühstück ist mit selbstgebackenem Brot und Waffelstation extrem gut, aber berechtigt unserer Meinung dennoch nicht den Preis. Man findet tolle Airbnbs in Salta für die Hälfte mit eigenem Bad. Wir arrangieren uns also mit der Situation, genießen 2 Tage außerordentliches Frühstück, reagieren uns im Gym ab (das sogar gratis ist weil man sich so freut das wir zurückgekommen sind!) und planschen im Pool. Leider ist das Zimmer bei Paula und der Babygato ausgebucht, aber wir finden ein Hammer Airbnb für nur 13 EUR die Nacht etwas außerhalb des Zentrums in einem teuren Villenviertel.

Alejandro und Selene sind herzallerliebst und wir sind froh über Umwege für Ulrikes Geburtstag ein so schönes Zimmer gefunden zu haben. Als wir ziemlich direkt entscheiden über Weihnachten zu verlängern, werden wir sofort zur Weihnachtsfiesta an Heiligabend eingeladen. Dazu jedoch später mehr! Wir fühlen uns so wohl in der Unterkunft und Stadt, dass wir gefühlt ewig bleiben möchten uns machen uns ein paar schöne, entspannte Tage. Schön ist auch die große Küche, besonders fürs späte Frühstück!

Gleich am ersten Tag besucht uns durchs Fenster eine hübsche graue Schmusekatze. Sie springt aufs Bett und nach dem ersten Schrecken macht sie mit uns Siesta. Da wussten wir noch nicht, dass wir uns eine Stalkerkatze angelacht haben. Sie wartet schon als wir heim kommen und ist sofort im Zimmer sobald Balkontür oder Fenster offen ist. Abends lassen wir sie ein bisschen am Fußende des Bettes sitzen, aber als die aufmüpfig wird und sich Simons Allergie meldet schicken wir sie raus. Da geht das gemautze los, Fenster und Türen müssen geschlossen bleiben ansonsten Gato direkt wieder drin. Das hält die Terrorkatze jedoch nicht ab uns nachts mehrfach zu wecken und einen toten Vogel unter der Tür hindurch zu katapultieren. So hübsch und süß die Katze ist, ab nun keine weiteren Streicheleinheiten und ignorieren. Nach 2 Tagen hat sie verstanden, dass wir ihr die Freundschaft gekündigt haben und geht auf Distanz…

Das einzige Manko an dem Airbnb ist die Entfernung zum Stadtzentrum, dass ca 40min fußläufig zu erreichen ist. Man muss also schon planen wann man wo hin will und kann nicht mal schnell noch was einkaufen, wenn man nicht ständig ein Taxi nehmen möchte. Ein Bus fährt recht unregelmäßig ins Wohngebiet und um ein Taxi zu bekommen, muss man ca 1,5km zur Hautstraße runter laufen. Es ist eben die letzte Straße am Berg, dafür entschädigt die wunderschöne Aussicht. Wir entscheiden uns an einem Abend schon recht hungrig für den Fußweg und vermuten bereits unterwegs ein passendes Lokal zu finden. Leider ist dem jedoch nicht so und in der Stadt finden wir auch nur recht teure und gar nicht authentische Asado Restaurants. Wir entscheiden uns also mit dem Taxi in das zünftige Restaurant zu fahren, an dem wir am ersten Tag so gut gegessen hatten. Es liegt allerdings etwa 3km entgegengesetzt von unserem Airbnb vom Zentrum entfernt. Als wir ankommen müssen wir jedoch leider feststellen, dass es noch geschlossen ist und erst um 20:30 öffnet…also in einer Stunde. Willkommen in Argentinien! Hier ist es üblich den Tag über ein paar Snacks zu essen, um sich dann um 21-22 Uhr und teilweise noch später den Bauch richtig vollzuschlagen. Wenn man früh essen geht (meist sind rund um den Hauptplatz touristische Restaurants durchgängig geöffnet), sieht man die Europäer schon schön um 18Uhr beim Abendbrot sitzen. Wir haben einfach einen ganz anderen Rhythmus als die Latinos und uns wohl noch nicht umgestellt! Spätestens nach dem langen Fußmarsch hängt uns der Magen nun allerdings in den Knien. Eine Alternative, die früher öffnet, gibt es in der Gegend leider auch nicht! Wir kaufen im Minimarkt eine Coke und überlegen was wir machen, zurück in die Stadt fahren ist jedoch keine Option und so wollen wir nachdem wir nichts anderes gefunden haben, eben warten. Und dann kommt was in so einer Situation noch kommen muss: ein fettes Gewitter! Es fängt plötzlich sinnflutartig an zu regnen und wir werden klatschnass. Wir setzten uns bei einem Metzger aufs Mäuerchen unters winzige Vordach, doch es hört einfach nicht auf zu schütten. Gegenüber öffnet grad ein kleiner Imbiss und wir flüchten unter die Überdachtung und essen ein „Lomito“, Sandwich mit dünn gebratenem Steak als Vorspeise. Gegen 21 Uhr passen wir einen Moment ab, an dem es nicht ganz so heftig regnet und rennen in unser Restaurant. Auch hier freut man sich, dass wir wiedergekommen sind, und serviert uns endlich ein schönes, saftiges Streak von dem wir den ganzen Abend geträumt haben!

Samstagabend wollen wir in Ulrikes Geburtstag reinfeiern. Wir haben 2 Flaschen unseres liebsten Nanni Torrontés besorgt und öffnen zum Sonnenuntergang auf der Terrasse den Rosé. Simon hat außerdem ganz liebevoll einen Snackteller vorbereitet, während sich Ulrike aufbrezelt. Heute Abend werden wir es uns gutgehen lassen!

Wir fahren runter in die Stadt und gehen bei Viracocha essen. Wir hatten zufällig entdeckt, dass es das Restaurant in dem wir in Cachí so lecker Pizzaessen waren, auch in Salta gibt. Zur Grundlagenpizza bestellen wir frisch zubereiteten, weißen Sangria aus Torrontés, der wahnsinnig lecker ist und Simon kostet außerdem das Craftbeer.

Gegen 23:15 Uhr machen wir uns dann gut angetüddelt zu Fuß auf den Weg zur Feiermeile. Wir hatten bereits herausgefunden, dass die Argentinier auch beim Feiern erst spät starten und Clubs sich erst ab 2 Uhr nachts so langsam füllen. Das kurz vor Mitternacht jedoch erst Tische und Stühle in den Bars rausgestellt werden, ahnten wir jedoch nicht. So landen wir pünktlich zum Anstoßen auf Ulrikes Geburtstag in einer mittelprächtigen Bar und trinken stilsicher Sangria aus Plastikbechern. Cheers! 😂

Gegen 1 Uhr schauen wir mal bei dem Club rein, der wohl ganz gute elektronische Musik spielen soll…komplett leer. Also schlendern wir über die Meile und ergattern noch einen Tisch in der beliebten Bourbon Bar, betreiben „peoplewatching“ und switchen zu Gin Tonic. Gegenüber sitzen Gäste im Restaurant um die Uhrzeit noch ein fettes Steak mit Pommer, in Deutschland wäre die Küche schon um 22 Uhr geschlossen. So gaaaanz langsam füllt sich die Partymeile und die Mädels rücken scharenweise in Mini-Partyoutfits an. Egal welche Kleidergröße, der enge Minirock muss an der Pofalte enden. Als ob man die Uhr danach stellen könnte, um 2 Uhr kommen Partypeople aus allen Ecken der Stadt angerückt. Nur sind Ulsi, die bereits um 18 Uhr angefangen haben zu trinken, jedoch ziemlich game over. 😂 So viel zu dem etwas gewöhnunsbedürftigen Rhythmus der Argentinier. Wir schauen nochmal in dem Elektroschuppen rein, der immer noch ziemlich leer ist, und entscheiden ein Taxi heim zu nehmen! In Bangkok hätte die Polizei alle Clubs auf der Khao San um 1 Uhr bereits geschlossen und uns von der Straße gekehrt, am anderen Ende der Welt hingegen geht es um die Uhrzeit erst richtig los. Obwohl wir nicht tanzen waren, hatten wir dennoch einen ziemlich lustigen Abend!

Ulrikes Geburtstag ist ein sehr, sehr fauler Tag und auch das Wetter ist heute eher etwas trüb. So entscheiden wir uns erst am Abend für ein fettes, argentinisches Steak unser gemütliches „Gehäuse“ zu verlassen. In einem renommierten Steakhaus gönnen wir uns ein 800g Tomahawk Steak, das der Kellner vom Knochen auf unsere Teller schneidet. Auf Wein haben wir jedoch nach zu viel Sangria gestern irgendwie keine Lust und trinken bis auf den Limoncello-Absacker nur Coke.

Da wir es auch nicht am Nachmittag zum Geburtstagskuchenessen ins Café geschafft hatten, nehmen wir zwei fette Stücke aus der Konditorei mit nach Hause. Wir konnten uns nicht zwischen Torta Rogel und Mousse au Chocolate Torte entscheiden und wohlwissend, dass wir keinesfalls nach diesem üppigen Abendessen noch 2 Stücke Kuchen verputzen können, gibt es noch ein kalorienreiches „Betthupferl“.

*Update zum Hostel Fail*: Trotz der 3 stornierten Nächte wurde uns der 40EUR Gutschein ausgezahlt. Somit haben wir für die 2 Nächte nur 10 statt 50EUR gezahlt, was wir nicht für die Übernachtung, aber das tolle Frühstück völlig gerechtfertigt finden. Man lerne daraus: Ärgere dich nicht zu viel über solche Situationen, denn manchmal wendet sich das Blatt doch noch. Es gehört zum Reisen und auch im Leben einfach dazu. Wie sagt man so schön auf. Kölsch: Mahatma Glück, Mahatma Pech, Mahatma Ghandi!

Cachi – Parque Nacional Los Cardones – Cafayate – Quebrada de Las Conchas – Germanía – Lago Cabra Corral – Salta

das Video

Tag 6 – Cachi nach Cafayate

Heute steht uns mit 270km der längste und kälteste Tag bevor. Nichtsahnend starten wir morgens mit Sonnenschein und fahren Richtung Nationalpark „Parque Nacional Los Cardones“. Zu Beginn des Parks duftet es herrlich nach dem Meer aus 1000 gelben Blumen.

Ein kleines possierliches Tier überquert schnell vor uns die Straße…eine Hasenmaus? Wir halten und sehen es in den Büschen verschwinden, können es jedoch nicht ganz ausmachen. Eventuell haben wir jedoch im letzten Kaktuswald bereits eine Hasenmaus und keinen dicken Hasen gesehen, auf den Schwanz hatten wir nicht geachtet… Alle die keine Ahnung haben wie eine Hasenmaus aussieht hier ein Bild (leider nur aus dem Internet!).

Der Kandelaberkaktus ist ein gutes Beispiel für die Adaption der Vegetation in solch einer trockenen Region. Sie können Wasser hervorragend speichern, haben tiefe Wurzeln und überleben somit die Dürre. Jedoch sind die ersten 8-10 Jahre eines nur bis zu 5cm großen Kaktus kritisch, da sie kaum Wasser speichern können. Tatsächlich schafft es schätzungsweise nur 1 von 80000 Samen einer Kaktusfrucht zu einem großen Kaktus heranzuwachsen. Überlebenswichtig ist, dass die Saat bei einer „Nanny“, dem Kreosotbusch, keimt. Hier findet der junge Kaktus in den ersten Jahren Schutz vor Sonne, Frost und auch feuchteren Boden. Da die Kandelaberkakteen nur bis 1cm pro Jahr wachsen, könnt ihr euch vorstellen wie alt die Riesen in diesem gigantischen Kaktuswald hier sein mögen. Die größten erreichen eine Höhe von bis zu 10m!

Auch wenn es deutlich mehr Kilometer sind, haben wir uns entschieden heute nicht weiter auf der Schotterpiste Richtung Süden zu fahren, sondern einen der schönsten in Argentinien gelobten Pässe zu überqueren. Wir fahren also auf der Route 33 zunächst grob Richtung Salta und dann auf Asphalt am Nachmittag runter nach Cafayate. Die Straße steigt steil an als wir den Nationalpark verlassen und die Sonne verschwindet hinter dichten Wolken. Wir müssen anhalten um eine zweite Hose und Jacke anzuziehen. Kurz später fahren wir durch dicke Nebelwolken und haben kaum noch Sicht. Es sind gefühlte -20 Grad und der Wind eiskalt. Wir frieren uns den Arsch ab und besonders Ulrike ist nur noch ein Eiszapfen. Nachdem wir den höchsten Punkt des 3400m Passes „Cuesta del Obispo“ überwunden haben, lichten sich die Wolken ein wenig und geben teils Sicht auf das saftgrüne Tal frei. Wir sind plötzlich wieder in einer völlig anderen Welt! Wir halten nochmal und Ulrike zieht noch Simons kurze Hose drüber plus Windbreaker. Zum Glück hatten wir von Carlos ein zweites paar Handschuhe für sie geliehen. Simon genießt die kurvenreiche Fahrt während Ulrike sich nur noch auf einen heißen Tee freut.

Wir erreichen unseren Zwischenstopp El Carril erst gegen 15 Uhr, als die Mittagsessenzeit schon vorbei ist. Nach etwas suchen haben wir Glück und finden ein Restaurant, dass uns als letzte Gäste bedient. Ein heißer Tee und Hähnchen mit Gemüse aus dem Ofen wärmen uns auf. Zum Nachtisch gönnen wir uns noch ein Stück „Torta de Rogel“, die quasi nur aus Dulce de Leche zwischen Keksschichten besteht. Gut das wir nur 1 Stück bestellt haben, denn es ist riesig und mächtig…aber leider geil!

Die letzten 120km bis Cafayate machen wir nun Strecke und halten nur kurz, da wir übermorgen den gleichen Weg zurück nach Salta nehmen werden. Trotz der bereits langen Fahrt genießt es Simon sich in jede Kurve zu legen. Es ist eine der schönsten Motorradfahrstecken und ab El Carril endlich wieder komplett auf Asphalt.

Wir hatten uns zum Glück bereits eine schnuckelige Cabaña in Cafayate vorgebucht und machen uns einen gemütlichen Abend. Und heute Nacht träumen wir sicherlich von Kakteen.

Tag 7 – Winzerstädtchen Cafayate

Cafayate liegt im Valles Calchaquíes im höchstgelegensten Weinbaugebiet der Welt und ist nach Mendoza Argentiniens zweitgrößte Weinregion. Auf ca. 4000 Hektar werden Trauben zwischen 1700 und 2800 Metern angebaut. Das Klima hier eignet sich trotz der Höhe mit 360 Sonnentagen im Jahr und ausreichend Wasser aus den umliegenden Bergen hervorragend. Eine Spezialität von Cafayate sind Weißweine aus der Torrontés Riojano-Traube, die jung und frisch getrunken werden. Sie finden auch international immer mehr Liebhaber und werden heute 2 neue Fans gewinnen.

Bevor wir mit unserer heutigen Weinverkostungstour starten, gibt es erstmal argentinisches Frühstück im Hotel mit den leckeren süßen Hörnchen. Wir wollen zunächst ein paar außerhalb liegende Weingüter besichtigen und nach dem Mittagessen das Motorrad abstellen. Unsere Unterkunft ist zentral gelegen und viele kleine Winzer bieten Führungen und Verkostungen fußläufig von uns an. Das ist sehr praktisch! Denn auch wenn man uns sagte in der Stadt Cafayate gäbe es keine Polizeikontrollen auf Alkohol, liegt die Promillegrenze in der Region Salta bei 0%. Don’t drink and drive! In Deutschland fährt fast immer Ulrike, nun darf Simon erstmal nur nippen. 😜

Als erstes steuern wir das Weingut Quara an, dass ein kleines Alpaka auf dem Etikett hat. Es gibt keine offizielle Führung auf Englisch, aber eine liebe Angestellte gibt ihr Bestes uns eine private Tour in Spanenglisch anzubieten. Anschließend kosten wir zwei Weine, kaufen hier jedoch zunächst nichts, weil wir erstmal vergleichen wollen. Am Preis liegt es jedoch keinesfalls, da die Weine bei den Bodegas ab ca 1,20 EUR zu erwerben sind. Die Argentinier laden sich den ganzen Kofferraum voll…

Über eine sandige Piste geht es hinauf zum Yacochuya Weingut und das letzte Stück ist mit einer Cardones Kakteenallee bewachsen. Die Aussicht von hier oben ist fantastisch und das Weingut ein richtig friedlicher und idyllischer Ort. Wir finden die Kombination von Weinreben, Kandelaberkakteen und Lavendel eine außergewöhnlich schöne Kombination!

Wir halten uns nicht so lange auf, da wir noch an einen weiteren Aussichtspunkt fahren wollen. Wir schlängeln uns auf sandiger Piste einen Weg auf der anderen Seite von Cafayate hinauf, als plötzlich 6 Polizisten hinterm Gebüsch rausspringen. Hier ist keine Durchfahrt! Mit einem seltsamen Gefühl machen wir also kehrt und fragen uns was die Polizisten dort in der Pampa bewachen, wo eigentlich der Aussichtspunkt in der Pampa sein soll? Egal, wie geplant stoppen wird fürs Mittagessen beim Weingut „Finca de las Nubes“. Wir sitzen in einem herrlich angelegten Garten mit Blick über Cafayate und essen ein köstliches Steak begleitet von argentinischer Musik. Es soll das beste argentinische Steak auf unserer Reise sein und im Nachhinein bereuen wir es, uns nur eins geteilt zu haben! 🙈

Nachdem die offizielle Siesta vorbei ist und die meisten Weingüter um 15-16 Uhr wieder öffnen, stellen wir das Motorrad ab und setzten ein richtiges Tasting im Städtchen fort. Die Bodega Nanni ist eine kleine Biowinzerei bei uns um die Ecke und vor der „Degustation“ machen wir hier eine Tour, die von einem Guide zweier Touristen zum Glück für alle auf Englisch übersetzt wird.

Die Bodega Nanni ist eine der bekanntesten Weingüter Cafayates und produziertet recht große Mengen für eine Biowinzerei. Da der Torrontés am besten jung getrunken wird, benötigt er keine Lagerung im Fass und kann nach 2 Monaten im Stahltank bereits abgefüllt werden. Nerdfact: Um den Hefe- und Zuckergehalt bei der Gärung zu balancieren wird in den Tanks pro 100l Traubensaft 1 Eiweiß hinzugefügt. Das Eiweiß bleibt aber natürlich nicht im Wein, sondern bindet die Trübstoffe und setzt sich ab.

Nach der Führung kaufen wir ein Degustationspaket, das die die Verkostung von 5 weißen und roten Weinen beinhaltet. Auch wenn Cafayate für seinen ausgezeichneten Weißwein bekannt ist, überrascht es doch auch so viele Rotweine vorzufinden. Tannat ist eine rote Weinsorte, die wir hier neben dem klassischen Malbec etc. entdecken. Es ist ein roter Wein mit viel Tannin und starken Vanille-, Schokoladen- und Tabakaromen. Simon schmeckt er ganz gut, aber Ulrike findet keinen Gefallen daran. Der uns bis vor ein paar Tagen unbekannte Torrontés hingegen ist ein ganz ausgezeichneter Weißwein, der einen intensiv fruchtigen Geruch hat und trotzdem trocken schmeckt. Wobei es natürlich auch die pappsüße Variante gibt. Der klassische, weiße Torrontés der Bodega Nanni ist unser absoluter Favorit geworden, wobei der Rosé auch fein schmeckt. Hochkonzentriert vergessen wir völlig ein Foto von unserer Lieblingssorte zu schießen…

Bei der Degustation lernen wir Julian und Katha aus Deutschland kennen und verbringen den Rest des Tages mit den beiden. Zufällig wollen sie nämlich auch im Anschluss noch die Bodega Domingo Hermano besichtigen und hatten sich bereits zur Tour angemeldet. Das die Tour diesmal auf Spanisch ist finden wir nicht schlimm, da wir das Meiste bereits bei den vorherigen Touren gelernt haben. Zu viert macht die weitere Degustation natürlich noch viel mehr Spaß und bei Domingo Hermano wird zum roten Malbec sogar Ziegenkäse verkostet.

Wir verbringen einen tollen Abend mit Käseplatte und Wein in einer Weinstube am Hauptplatz und kommen erst um 2 Uhr ins Bett. Und vielleicht haben wir die beiden mit dem Reisefieber angesteckt und inspiriert über eine längere Auszeit nachzudenken. Grüße nach Deutschland ihr Lieben!

Tag 8 – Cafayate nach Salta

Wir kommen erst später als üblich los, weil wir zunächst noch die Ziegenfarm „Cabras de Cafayate“ besichtigen (natürlich lag es nicht am guten Wein!).

Eine Ziege produziert bis zu 2l Milch am Tag (eine Kuh ca.a 10l) und hier wird daraus köstlicher Ziegenkäse produziert! Nach der Führung durch die Ställe und kleine Produktion dürfen wir verkosten. Besonders schmeckt uns die Variante mit mediterranen Kräutern und wir nehmen eine Packung mit. Mit über 3 EUR ist sie deutlich teurer als der Ziegenkäse vom Markt, aber er schmeckt ganz mild und fein.

Für den Rückweg nach Salta nehmen wir uns heute richtig Zeit. Auf dem Hinweg waren wir die Strecke nur schnell gerast. Die Sonne brennt heute ganz schön und es ist vermutlich der heißeste Tag bislang. Die Strecke führt durch die spektakuläre, wilde Landschaft mit roten und ockerfarbenen verwitterten Sandsteinformationen. Die „Quebrada de Las Conchas“ mit einzigartigen Felsformationen liegen quasi direkt am Weg. Eine längere Wanderung in den Felsen machen wir hier jedoch nicht, da wir ja alle Wertsachen auf dem Motorrad dabei haben und es nicht unbeaufsichtigt lassen wollen.

Für einen kleinen Fotostop müssen wir natürlich im Örtchen Alemanía halten. Viel zu entdecken gibt es hier jedoch nicht.

So langsam bekommen wir Hunger und zufällig landen wir im weit und breit einzigen und, wie wir erst später herausfinden, super beliebten Restaurant „Posta de Charabas“. Hier gibt es feine Gerichte mit Ziegenkäse aus eigener Produktion und selbstgebackenem Kuchen. Wir sitzen im gemütlichen Garten und entspannen. Kaum werden Gemüsetarte und selbstgemachte Ravioli serviert, wittert eine Ziege ihre Chance. Sie streckt den Kopf nach Beilagensalat und Brot aus und springt dann ganz auf den Tisch. Wir können grad noch unsere Teller retten, aber das Brot fällt ihrer schnellen Zunge zum Opfer. Zum Glück holt die Kellnerin die Ziege vom Tisch und sperrt sie in den Stall, damit wir unser Essen nun lachend genießen können.

Bei selbstgebackenem Kuchen können wir nicht nein sagen und ein Kaffee wäre auch fein. Wir müssen zugeben ganz große Fans von Kuchen und Gebäck in Südamerika zu sein. Wer hätte gedacht das es hier sogar Apfelstrudel gibt! Schmeckt wie in Österreich, auch wenn er hier ohne Vanillesauce oder Eis serviert wird.

In der Ferne sehen wir einen riesigen See unweit der eigentlichen Route und fahren spontan hin. Zwei nette Polizisten winken uns auf der schmalen Landstraße heran und wir kramen Führerschein und Papiere aus der Box, damit sie kurz einen Blick drauf werfen können. Bisher wurden wir bei allen Polizeikontrollen durchgewunken und hier gibt es echt viele! Jeden Tag passieren wir mehrere Kontrollstellen mit Pylonen abgegrenzt und müssen auf 20kmh abbremsen. Das Interesse gilt hier jedoch weniger den Touristen, sondern wir vermuten das es an der Nähe zu der chilenischen und bolivianischen Grenze liegt. Ein paar Kilometer weiter erreichen wir schließlich den See. Der „Lago Cabra Corral“ scheint ein Ferienhausdomizil für reiche Argentinier zu sein und es stehen ein paar Villen mit tollen Gärten am Ufer. Erinnert uns ein bisschen an den Bodensee! Es gibt auch wenige Unterkünfte im Vorort, jedoch kaum mit direktem Seezugang. Wir überlegen kurz ob wir spontan eine Nacht hier bleiben wollen und das Motorrad erst morgen früh abgeben. Jetzt baden zu gehen klingt zu verlockend! Wir fahren zu einem Campingplatz und fragen nach, jedoch hat er nur Stellplätze und keine Cabañas. Schade, denn hier unten am Ufer ist es richtig schön. Wir fragen ob wir uns denn kurz abkühlen dürften, denn es ist spätnachmittags immer noch ziemlich heiß. Schnell schlüpfen wir in die Badesachen und spielen mit den Hunden im Wasser. So erfrischend! Als ein bisschen später 4 andere Touristen hier schwimmen gehen, werden sie zur Kasse gebeten. Wir sind froh mittlerweile ein paar spanische Worte zu sprechen, um erstmal höflich etwas erfragen zu können. Wir zahlen nix für unsere Abkühlung.

Als wir bemerken, dass die ersten fiesen Mücken zugebissen haben (die kleinen „Fruchtfliegen“, deren Bisse tagelang höllisch jucken) machen wir schnell die Biege. Die letzten Kilometer bis Salta fahren wir nun durch. Wir hatten es offen gelassen, ob wir das Motorrad abends oder am nächsten Morgen abgeben. Nachdem wir vergebens in einem großen Supermarkt neues Eiweißpulver gesucht und völlig die Zeit beim Einkaufen verloren haben, entscheiden wir um 21 Uhr die Abgabe zu vertagen und parken das Motorrad im Hostelflur. Hier sollte es sicher stehen, doch das Hostel selbst ist ein ziemlicher Fail. Dazu jedoch im nächsten Blog mehr.

Tag 4 – Maimará nach San Antonio de los Cobres

Wir starten mit einem schnellen Porridge in den Tag und verabschieden die neugierigen Lamas. Wir ahnen noch nicht, dass heute der anstrengendste Motorradtag unseres Trips wird. Dazu jedoch später mehr… Auch heute meint der Wettergott es jedoch gut mit uns und wir fahren nur knappe 20km bis ans erste Tagesziel. Es sind die 7-farbigen Berge von Purmamarca und ein beliebtes Ausflugsziel in der Region. Die Berge sind tatsächlich sehr schön gefärbt und da man etwas näher heran kann und teils sogar durchfahren, finden wir das sich dieser Ort mehr lohnt als die 14-farbigen Berge. Tatsächlich hatten wir dort keine 14 Farben zählen können!

In nicht endenden Serpentinen der „La Cuesta de Lipán“ und über den nächsten Ü4000m Pass gelangen wir zu den „Salinas Grandes“. Oben wird es ganz schön kühl mit dem Fahrtwind und wir ziehen unsere Jacken an. Gut, dass wir uns gestern Abend noch angestellt hatten um vollzutanken, denn wir brauchen hier ganz schön Sprit so wie Simon das Gas aufdreht wo es sicher möglich ist.😜 Carlos hatte uns die wenigen Tankstellen in der abgelegenen Region eingezeichnet und wir tanken vorsichtshalber an jeder voll, auch wenn man ganz schön lang anstehen muss. Fast liegenbleiben, wie mit dem Camper in San Pedro, haben wir diesmal nicht vor! Die Aussicht vom Pass ist auf jeden Fall der Hammer!

Wir erreichen die Salinas Grandes zur Mittagszeit und sind enttäuscht, dass es hier nur Empanadas oder Tortillas gibt. Irgendwie verpassen wir es immer Tamales oder Humidas zur Mittagszeit zu essen. Wir machen kurz Rast am salzigen Picknickplatz. Neben Salzfiguren sind hier tatsächlich sogar Tische und Bänke aus Salzblöcken gefertigt!

Die 212 km² große weiße Salzwüste wollen wir mit dem Motorrad erkunden und am liebsten einmal durchqueren, doch wo findet man eine Zufahrt? Wir hatten gelesen, dass man mit PKW über das Salz fahren kann und auch Carlos gab uns grünes Licht. Nur in den Spuren der Autos sollen wir bleiben, da man nicht weiß was unter der Salzkruste ist und man Gefahr läuft im Morast darunter einzubrechen. Die „Straßen“ im Salz, die von der Hauptstraße abzweigen, sind mit Schranken verschlossen und dürfen nur mit Guide in einer begleiteten Tour gebucht werden. Außerdem führt die 40min Tour nicht wirklich weit hinaus und beinhaltet mehr oder weniger eine Führung zu den Abbaustellen und Pools. Das finden wir natürlich ganz schön doof! Wir schauen uns ein Stückchen weiter um und fahren kurz eine Straße zu einer Abbaustelle rein, die nicht versperrt ist, und fragen nach Zugang. In der Arbeitszone gewährt man uns jedoch keine Durchfahrt. Nungut, wir versuchen weiter südlich unser Glück – so der Plan – und setzten die Fahrt auf der staubigen Route 40 Richtung Süden fort. Und wir haben Glück nach ein paar Kilometern und einer zunächst fragwürdigen, staubigen Zufahrt mit dem Motorrad in den Salinas Grandes zu fahren. Zunächst schlagen wir ein Stück Richtung Norden ein um die großen Pools und Abbau von Salz mit Baggern und sonstigen Geräten zu beobachten.

Dann fahren wir auf nimmer weißer Piste Richtung Süden in den Autospuren in der Hoffnung der Weg möge irgendwann wieder auf die Straße, Route 40 führen. Ein paar mal zweigt die Straße ab, die Spuren werden schwächer bis wir sie irgendwann nicht mehr sehen können. Sch*** und nun? Auch wenn die Richtung stimmt wir wagen uns nicht weiter vor aufs „Eis“. Wenn wir hier einbrechen findet uns sicher niemand, denn uns begegnete die letzten schätzungsweise 40km niemand. Wir fahren ein Stück zurück und versuchen nochmal eine andere Abzweigung, aber auch diese verläuft im Salz. Uns bleibt also nichts anderes übrig als die gesamte Stecke zurückzufahren. Ganz schöner Umweg, aber trotzdem cooler Ausflug auch wenn es uns nicht möglich war die Salzwüste ganz zu durchqueren.

Zurück auf der Schotterpiste fahren wir nun erneut Richtung Süden, nur das es sich hier gar nicht so schön fahren lässt wie auf recht ebenem Salz. Die Rillen sind heftig und dann besteht die Strecke teils wieder nur aus Sand, wo wir natürlich kaum Grip haben. Gut das wir noch eine Notfallbanane und Nüsse im Gepäck haben, damit der Fahrer bei Kräften bleibt. Die 120km Piste ist mehr als mühselig und wir werden extrem durchgeschüttelt. Es ist so abgelegen und ohne jeglichen Verkehr, dass wir sogar einem seltenen südamerikanischen Nandu Strauß begegnen. Er ist natürlich sehr scheu und will sich nicht von Nahem ablichten lassen. Später finden wir heraus, dass diese Piste die Extension der Route 40 und gar nicht die wohl teils asphaltierte Route 40 war. Das würde auch erklären, warum niemand an dieser Seite der Salzwüste unterwegs war. Egal wir sind lebendig angekommen. 🙈

San Antonio ist ein ziemlich kleiner, eingestaubter Ort und gefällt uns irgendwie gar nicht. Ist aber nicht schlimm, da wir hier nur einen Schlafplatz suchen. Online war gar nichts zu finden, was wieder an Türen klopfen heißt. Beim zweiten Hospedaje haben wir jedoch schon Glück und finden ein kleines, sauberes Zimmer. Wir sind völlig erledigt und die Hintern wund von 270km auf teils übelster Strecke heute. Nach einer heißen Dusche machen wir uns nur schnell die Reste von gestern warm, gepimpt mit ner Dose Erbsen aus dem Supermarkt nebenan. Wir sind viel zu fertig noch irgendwo was essen zu gehen und schlafen völlig fertig bereits um 9 Uhr.

Tag 5 – San Antonio de los Cobres nach Cachi

Ziemlich ausgeschlafen gibt’s Frühstück im Hospedaje, bevor wir uns wieder aufs Bike schwingen. Die Unterkunft scheint recht beliebt bei Motorradfahrern zu sein und wir treffen noch 2 Argentinier, die auch ein Motorrad bei Carlos geliehen haben und in entgegengesetzter Richtung unterwegs sind. Was ein lustiger Zufall finden wir und tauschen noch schnell ein paar Tipps zur Route aus. Nachdem wir vollgetankt haben geht’s erstmal ein paar Kilometer über herrlich asphaltierter Strecke. Simons Laune sinkt zunächst als wir wieder auf eine staubige Hubbelpiste abbiegen, aber wir sind richtig und auch die zwei Argentinier klagten über die nicht so tollen Straßenkonditionen. Bald geht es jedoch Kurve um Kurve aufwärts und wer kann bei so schöner Landschaft und Aussicht nicht ins Staunen kommen! Wir überqueren den nächsten 5000m Pass „Abra del Acay“.

Ganz oben können wir uns nicht lang aufhalten, da recht frischer Wind weht. Unterwegs sehen wir wieder viele Herden Vikuñas, die friedlich in der Pampa grasen. Einige Stellen sind wie mit runden, grünen Moosteppischen bewachsen. Beim Versuch sich drauf zu setzten muss Ulrike allerdings feststellen, dass sie gar nicht flauschig sondern ziemlich piksen wie ein Kaktus. Wir winden uns auf Serpentinen die andere Seite des Passes wieder hinunter und die Piste führt teils an sehr schmalen Passagen am Berg vorbei.

Wir passieren ein abgelegenes Häuschen mit vielen Ziegen- und Alpakababys. Sie und die Bewohnerin mit zwei Kleinkindern sind genauso neugierig wie wir. Die Alpakas versuchen die Helme, die sie wahrscheinlich zuvor noch nie gesehen haben, ganz nah zu betrachten und zu beschnüffeln. Wir sind schockverliebt! Wir beobachten die kleinen Ziegen noch eine Weile über die Felsen hüpfen und fahren schließlich weiter.

So langsam kommen wir wieder in die Täler und müssen auch einige kleine Bäche passieren, da bleiben die Füße natürlich nicht trocken. Wir erreichen das Dörfchen „La Poma“, unser Zwischenziel für Mittagessen und kleiner Siesta im Park des Hauptplatzes. Das kleine Dorf ist schnuckelig hat nur wenige Häuser und 2/3 Restaurants. Wir essen ein Steak mit köstlichem Salat, den wir schon gefühlt ewig nicht mehr hatten. Die Tomaten sind hier knallrot und vielleicht sogar im Garten geerntet. Zufällig kommen wir an einen Babyziegenstall vorbei und hätten uns am liebsten mal in den „Streichelzoo“ begeben.

Gerne wollen wir die nahegelegene „Puente del Diablo“ mit den hübsch gefärbten Stalaktiten besichtigen. In La Poma gibt es nur einen Guide, der einen mit Neopren und Seilen ausstatten, um die Höhle im Fluss zu erkunden. Wir versuchen ihn zu erreichen und klopfen sogar an seine Tür, jedoch nur sein Großvater öffnet und den krassen Akzent können wir nicht verstehen. Tatsächlich ist es etwas schwieriger in Argentinien, da die Aussprache teils ziemlich anders ist als zB in Peru. Nunja, wir gebens auf mit der Tour und da wir eh dran vorbeifahren, machen wir einen kleinen Stop an der Höhle. Hinein können wir jedoch nicht ohne Seil als Sicherung. Ob es dort wohl auch Fledermäuse gäbe? Ulrike sieht ihr zumindest heute ziemlich ähnlich – Euli wäre begeistert! 😂

Wir durchqueren ein wunderschönes Tal auf Schotterpiste, was sonst! Entlang eines Flusses fahren wir bis nach Chachi und müssen für zahlreiche Fotostops halten. In der späten Nachmittagssonne sehen das Tal und die Berge einfach nach jeder Kurve noch viel schöner aus!

Cachi heißt auf Quechua übersetzt „Salz“ und die in weiß getünchten Lehmhäuser sehen in der Abendsonne besonders schön aus. Heute finden wir auf Anhieb eine super günstige und nette Unterkunft ein paar Blocks vom Hauptplatz. Nachdem wir abgeladen haben meldet sich der Hunger und wir laufen durchs hübsche Städtchen. Die Wahl ist schnell auf ein belebtes Restaurant mit den letzten Sonnenplätzen auf dem Platz gefallen. Wir bestellen eine Flasche Wein aus der Region, da wir uns nun schon am Anfang der Weißweinregion in Argentinien befinden, ein Tamales und Suppe zur Vorspeise und schließlich eine Pizza. Letztere schmeckt überraschend gut, denn die sonnengetrockneten Tomaten und Schinken kommen aus der Region. Es gibt außerdem richtig gutes Craftbeer. Wir lassen es uns heute Abend richtig gut gehen und gönnen uns zum Abschluss noch ein Mousse au Chocolate mit Orange. Das Abendessen fällt heute etwas teurer aus, aber war wirklich ein Gedicht!