Coroico

Kurze Zwischenlandung in den Yungas

https://youtu.be/7Uw4Ww3FSbA

Vermutlich den meisten nur bekannt durch den Anbau von Cocablättern, hat die Region durchaus mehr zu bieten! Der kleine Ort Coroico im Dschungel ist ein beliebtes Ausflugsziel für Bewohner aus dem kühlen La Paz, die ein paar Tage im Warmen verbringen möchten. Auch uns gefällt der Ort auf Anhieb richtig gut, bis auf den Taxifahrer der uns beim Rausschmeißen extra fürs Gepäck kassiert, obwohl das so nicht ausgemacht war. Auf einer unbefestigten Straße haben wir uns mit dem Sammeltaxi in Serpentinen ein paar hundert Meter an den Ortseingang fahren lassen und laufen nun mit Blick über das grüne Dschungeltal zu unserer Unterkunft etwas außerhalb. Die Sonne steht schon tief und der ganze Ort strahlt einfach eine friedliche Atmosphäre aus.

Aus unserem Zimmer haben wir den gleichen schönen Ausblick. Und vom Pool aus ist es noch viel schöner!

Einzig der Schweiz-Französische Besitzer ist etwas garstig, was wir gar nicht verstehen können. Überall hängen Schilder mit was man nicht darf und wo man nicht sitzen darf etc…wenn man keine Lust auf Gäste hat sollte man einfach nur das Restaurant betreiben und keine Zimmer vermieten. Naja, immerhin schmecken seine Crêpes zum Frühstück am ersten Morgen ganz lecker, auch wenn wir die nächsten Tage für einen Bruchteil des Preises am Hauptplatz sehr gute Pancakes oder Empanadas bei einer Straßenverkäuferin frühstücken. Am Hauptplatz ist immer was los und wir müssen über einen alten Mann schmunzeln, der sein altes Radio mitbringt und sich uns gegenüber setzt. Die Kinder toben um den Brunnen in der Mitte und ziehen Spielzeugautos mit Schnur hinter sich her. Wir sitzen hier ein paar Mal zu unterschiedlichen Uhrzeiten und beobachten das bunte Treiben. Um die Ecke vom Hauptplatz befindet sich ein Lager mit Cocablättern, die hier auf riesige Haufen zusammengetragen werden.

Wir wandern zum Berg „Chutokollo Uchumachi“, mit 2500 Höhenmetern vermutlich die größte Erhebung in der Region. Aus dem Ort geht es stetig bergauf und wir treffen auf der ganzen Strecke nur ein Pärchen, dass beim ersten kleinen Rastplatz abhängt. Danach sind wir die einzigen die sich in der Mittagssonne den Berg hoch quälen. Ulrike hat vergessen sich die Waden einzucremen…das wird hässlichen Sonnenbrand geben und der schöne Farbunterschied ist auch jetzt ca 1 Monat später noch sichtbar. Auch wenn es anstrengend ist genießen wir den Aufstieg und den traumhaften Ausblick. Viele Leute scheinen hier nicht hochzulaufen, denn die engen Trampelpfade sind teilweise schon sehr zugewachsen.

Ein Stück führt der Weg auch durchs Unterholz, bis wir wieder freien Blick aufs Tal haben. Unterwegs kreuzen immer wieder Blattschneideameisenstraßen unseren Weg, die wir natürlich auch genauer unter die Lupe nehmen. Am Rastplatz erfrischt sich ein durstiger Schmetterling bei uns. Große Greifvögel kreisen ganz tief über uns, ohne einen Flügelschlag gleiten sie elegant über das Tal.

Zurück im Ort folgen wir einem Schild zum deutschen Restaurant und Café. Wir haben uns nun eine Portion Kässpätzle und Apfelkuchen mit Café verdient – es wird geteilt versteht sich! Alles schmeckt nach typisch deutscher Qualität. 😊 Eine Hängematte gibt es hier auch und Internet, was an so einem abgelegenen Ort nicht selbstverständlich ist.

Zur Abkühlung geht es am Spätnachmittag nun endlich in den herrlich erfrischenden Pool!

Der nächste Tag ist leider bereits Abreisetag und daher haben wir bei der Hitze auch nicht viel mehr geplant als am Pool und in den Hängematten abzuhängen bis wir den Bus nehmen. Wenn wir nur genau wüssten wann der Bus fährt… So gut wie niemand steigt hier in den Bus ein, sondern fährt von La Paz direkt nach Rurrenabaque. Online finden wir einen Beitrag der empfiehlt sich gegen 16 Uhr an den Straßenrand zu stellen und den Bus abzupassen, wenn er für 5min Pipipause hält. Gemäß unseres Vermieters haben wir, als wir um 11 Uhr beim Checkout fragen, den einzigen Bus bereits verpasst. Er meint nur er würde sich auskennen, obwohl er nur per LKW trampt (was wir nur im äußersten Notfall in Betracht ziehen würden). Wir sind zwar zuerst etwas irritiert, aber laut online Busfahrplan fahren 2 Busunternehmen Mittags in La Paz los und passieren logischerweise irgendwann am Nachmittag den von uns ein paar Kilometer entfernten Ort Yolosita. Simon schreibt dennoch per WhatsApp unser bevorzugtes Busunternehmen an und sie bestätigen, dass uns der Bus so um ca 17 Uhr oder ein weiterer um 19 Uhr einsammeln könnte. Wir chillen also weiter, bevor wir spät Mittagessen gehen und dann ein Taxi nach Yolosita nehmen. Letzteres war gar nicht so einfach, aber wir sind dennoch recht pünktlich um 16:30 Uhr an der kleinen Kreuzung in Yolosita. Wir kaufen ein paar Snacks und warme Empanadas bei den Straßenverkäuferinnen, die um jedes Fahrzeug buhlen, das die Kreuzung passiert.

Wir warten und warten und beobachten von der Bordsteinkante aus das Gewusel und die Kontrollen beim Polizei-Checkpoint gegenüber. Wir haben nach rechts freien Blick auf die Brücke und können herankommende Busse frühzeitig erkennen. Ein paar wenige Male springt einer von uns auf und erfragt beim haltenden Bus, ob er der richtige sei…aber Fehlanzeige! Den ersten Bus müssen wir also komischerweise verpasst haben und als es um 19 Uhr ruhiger an der Kreuzung wird, werden wir schließlich etwas nervös. Was ist wenn doch kein Bus mehr kommt? Unsere Unterkunft war komplett ausgebucht und es wird schwierig nun so spät abends am Wochenende im Ferienort einen Schlafplatz zu finden. Ulrike fragt bei einem Standverkäufer, wann die letzten Busse kommen und hier alles dicht gemacht wird…so um 21-22 Uhr. Wir warten nun bereits 2,5 Stunden und bei Einbruch der Dunkelheit fragt Ulrike dann noch bei der Polizei nach, die rät noch geduldig zu warten, da noch verschiedene Busse kommen. Aber uns fällt das Warten schwer, wenn man nicht weiß ob man noch wegkommt und die ganze Zeit auf heißen Kohlen sitzt.

Im Dunkeln wird es definitiv schwieriger eine Mitfahrgelegenheit zu finden und wir wollen uns nun vorne an die Straße stellen, da wir die ankommenden Fahrzeuge im Dunkeln auf der Brücke nicht mehr sehen können. Als wir grade entschließen nun JEDE Option nach Rurre wahrzunehmen und dabei ernsthaft auch Trampen per LKW einschließen, erblicken wir einen Bus. Simon läuft vor und kommt mich dann schnell mit Gepäck holen. Wir haben Glück die letzten Sitzplätze in einem klapprigen Bus zu ergattern und der Fahrer stellt uns auf der Straße schnell ein Ticket aus. Für einen kurzen Moment vergessen wir jegliche Sicherheitsvorkehrungen und Vorsätze die gefährliche Strecke nur mit dem besten Busunternehmen zu fahren. Wir sind überfroh nach 3,5 Stunden hier endlich wegzukommen…bis wir uns in die Mitte der letzten 5er Reihe quetschen. Die Sitze sind mehr als durchgesessen und jede Feder zu spüren, die Armlehnen fehlen und das scharfe Metall der Befestigung drückt uns ins Fleisch, links neben Ulrike beansprucht die Cholita mit ihrem sehr ausladenden Hinterteil und Rock mehr als ihren Sitzplatz. Vorallem Simon, der genau in der Mitte sitzt, hätte schrecklich gern einen Anschnallgurt, den es theoretisch irgendwo unterm Sitz gäbe, sich jedoch nicht freilegen lässt. Wir ergeben uns unserem Schicksal, das wir die Nacht schlaflos in dem engen, zugigen und holprigen Bus verbringen und hoffentlich überleben werden. Denn diese Strecke wird online wegen der extrem schlechten Straßenverhältnisse besonders bei starkem Regen heutzutage eigentliche „Death Road“ bezeichnet. Wir schauen links aus dem Fenster und können den tiefen Abgrund auf schmaler, unbefestigter Straße nur erahnen. Vielleicht ist es besser das es bereits dunkel ist, denken wir uns und konzentrieren uns darauf beim Geholper im ungefederten Bus auf unserem Platz sitzen zu bleiben. Zu unserem Glück gab es die letzten 2 Tage keinen Starkregen, sodass die Straße sich nicht in eine Rutschpartie verwandelt hat, doch der staubtrockene Weg ist dafür extrem hubbelig. Dieser Nachtbus kommt auf Platz 2 der schlimmsten Busfahrten unseres Lebens, Platz 1 hält trotzdem noch der irre Nachtbusfahrer in Myanmar…

Bei der nächsten Pipipause stellen wir fest, dass dem Bus die ganze Frontschürze fehlt. Ob wir sie unterwegs verloren haben oder ob sie wegen Gefahr des „Aufsetzens“ demontiert wurde, wissen wir nicht. Wir kaufen etwas kühles zu trinken und spielen mit einer kleinen Babykatze.

Wir halten unterwegs ein paar Mal, um Leute in kleinen Ortschaften rauszuschmeißen, und ständig geht das Licht im Bus wieder an. Als etwas weiter vorne 2 Plätze nebeneinander frei werden, steigen wir schnell über die schlafenden Kinder und den Hund im Mittelgang und versuchen es uns so bequem wie möglich zu machen. Beim nächsten Halt, eigentlich einer Pipipause jedoch ohne geöffnetes WC, müssen wir uns notgedrungen eine dunkle Ecke suchen. Warum das WC verschlossen, aber ein paar Snackstände um 4 Uhr nachts geöffnet sind, verstehen wir nicht. Simon freut es trotzdem, denn der Schokohiper hat ihn gepackt und wir kaufen Schokokekse, die wir verputzen während wir nun bereits 4 Sitze beanspruchen.

Wir kommen gut durch und kurz nachdem der Sonnenaufgang den Blick über die Dschungellandschaft freigibt, erreichen wir Rurre nach 10 langen Stunden sogar eine halbe Stunde früher als geplant. Einige haben berichtet von La Paz aus 20 Stunden gebraucht zu haben oder sogar länger, wenn es einen Unfall oder Erdrutsch gegeben hat. Mit einem TukTuk fahren wir in unsere Unterkunft „Faultier Hostel“ und sind heilfroh, dass wir bereits um 7 Uhr unser Zimmer beziehen dürfen. Simon findet direkt neue Freunde und ohne Aufforderung gesellen sich Hund und Katze direkt zu ihm! Wir haben nun dringend eine Dusche und ein paar Stunden Schlaf nötig!

Wenn man eine Reise tut…dann gehören auch Erlebnisse wie diese dazu! Nichts ist immer nur so schön, bunt und glamourös wie es auf Instagram erscheint. Für uns gehört dies zum Abenteuer Weltreise dazu und wir sind nur froh so eine Situation ohne Schaden zu überstehen. Würden wir wieder in diesen Bus steigen? Natürlich! Viele sagen uns sie würden gern mit uns tauschen, aber auch in diesem Moment? Es gehören auch viele Strapazen dazu einen abgelegenen Ort zu erreichen und Backpacking ist sicher kein 5-Sterne All-Inklusive Urlaub…

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