Sucre

Die weiße Stadt

Wir kommen am Spätnachmittag in der Hauptstadt Boliviens an und nehmen ein „Trufi“, ein Bolivianisches Sammeltaxi vom Busbahnhof in die Innenstadt. Nun denkt man eine Hauptstadt ist groß und laut und dreckig, aber die Innenstadt von Sucre hat schon ihren Charme. Klar ist es wuselig auf den Straßen, aber es gibt keine Wolkenkratzer sondern viele hübsche, weiße Kolonialgebäude und Kirchen reihen sich aneinander.





Da das Trufi nur ungefähr am Hauptplatz vorbeifährt, haben wir mit Gepäck noch ein gutes Stück zu laufen. Unsere Unterkunft ist wunderschön und eine der besten der bisherigen Reise. Ein großes Zimmer mit liebe zum Detail, nette Nachbarn, riesige Gemeinschaftsküche und schöner begrünter Innenhof…für 12 EUR pro Nacht. Der Besitzer ist super lieb und freut sich über ein voll gebuchtes Gästehaus, was er erst vor 2 Monaten eröffnet hat. Wir fühlen uns bei Ankunft bereits richtig zu Hause! Im großen Supermarkt um die Ecke gibt es alles was macht sucht und sogar „Pan Aleman“, deutsches Brot. Das schreit nach einem deutschen Abendbrot mit Schinken, Käse, Senf, sauren Gürkchen und ner Suppe! 😂




Wir schlafen wie Babys und nach dem Frühstück und ein bisschen Recherche machen wir uns auf den Weg ins Gym etwas außerhalb des Zentrums. Nach 40min Fußmarsch müssen wir jedoch feststellen, dass Siesta in Bolivien wohl ab 12 Uhr ist und es sich nun nicht mehr lohnt. Wir checken noch 2/3 andere Studios in der Gegend ab, jedoch hat keins über Mittag auf…hmpf. Also laufen wir noch ein gutes Stück weiter zum Busbahnhof und organisieren ein Ticket nach Cochabamba. Es scheint tatsächlich nur Nachtbusse zu geben und so buchen wir den komfortabelsten und teuersten Bus. Wir beenden unsere Erkundungstour zu Fuß und gehen Mittag essen… das Gym muss dann eben bis heute Abend warten.

Auf dem Markt haben wir eingekauft und den Kühlschrank gefüllt. Es gibt hier auch so viele Stände mit magischen Kräutern, Wurzeln und die Kräuterhexen verkaufen Medizin gegen jede Krankheit. Nach dem Gym kochen wir einen großen Topf Linsensuppe. Irgendwie haben wir so einen Punkt erreicht, an dem sich das nicht allzu vielfältige Menü der kleinen Restaurants und Streetfood ständig wiederholt und wir froh sind unser eigenes Essen zubereiten können.


Am nächsten Tag fahren wir mit einem Trufi zum „Castillo de la Glorietta“, einem Schloss 20min außerhalb des Zentrums. Ob sich der Ausflug wirklich gelohnt hat, ist jedoch fragwürdig. Das Schloss ist von außen ganz hübsch anzuschauen, jedoch werden wir nach 5min gebeten Eintritt zu zahlen. Wir dachten der Eintritt galt nur dem Museum, das nicht lohnend sein soll, doch muss man anscheinend den vollen Eintritt zahlen auch wenn man nur mal drumherum läuft. Uuuups das haben wir nicht gewusst…unser Ausflug ist also ziemlich schnell beendet. Ein paar Schnappschüsse vom Schloss hatten wir jedoch bereits gemacht.




Wir fahren zurück zum Hauptplatz und machen dort statt im Schlosspark unser Picknick. Wie in jeder Stadt in Südamerika ist hier Treffpunkt für groß und klein, egal zu welcher Uhrzeit. Wir machen es also wie die Einheimischen und verbringen den ganzen Nachmittag hier und genießen das, im Gegensatz zu Potosí warme Wetter. Wir beobachten die Leute, lernen Spanisch und machen neue Bekanntschaften. Pablo sitzt neben uns auf der Bank und kommt ursprünglich aus Santa Cruz. Mit einer Mischung aus Englisch und Spanisch können wir uns gut verständigen. Die Bolivianer sind grundsätzlich ein sehr freundliches Volk und stellen neugierig Fragen wer ihr Land bereist…bis auf einige wenige, die „reiche“ Gringos versuchen abzuziehen. Von den 4 Ländern, die wir bisher in Südamerika bereist haben, muss man in Bolivien nämlich am meisten aufpassen nicht übers Ohr gehauen zu werden. Aber meist muss man nur lächeln und sagen das man den richtigen Preis kennt…



In Sucre hätten wir es auch gut noch ein paar Tage aushalten können. Die Stadt ist auch bekannt unter Langzeitreisenden, um günstig Spanisch zu lernen. Hätten wir ein bisschen mehr Zeit würden wir hier nochmal einen Kurs machen. Wenn man an abgelegenen Orten unterwegs ist, schätzt man auch mal für ein paar Tage alle Annehmlichkeiten und Angebote einer Großstadt. Seit Beginn unserer Reise finden wir das erste mal Naturjoghurt, der nicht gesüßt ist! Auf dem Markt gibt es neben zahlreichem Obst, Saaten und Nüsse. Die frischen Paranüsse sind die leckersten, die wir jemals gegessen haben und wir füllen unsere mobile Vorratskammer auf. Am letzen Morgen bereiten wir uns ein kaiserliches Musli, Fruit & Yoghurt zu. Dann machen wir noch ein paar Erledigungen, Wäsche, kaufen Simon neue Unterhosen und hängen den Tag noch mehr oder wenig ab.

Der Nachtbus fährt erst um 21 Uhr und wir hoffen diesmal, dass er verspätet ankommt. Denn eigentlich wollen wir aus Sicherheitsgründen lieber im Hellen in Cochabamba ankommen. Wir hatten Abenteuerliches über die schlechte Strecke gehört, können dies jedoch nicht bestätigen. Klar ist die Straße nicht besonders eben, aber wir haben bereits schlimmere Strecken gemeistert. Es ist nur wieder mal fürchterlich heiß im Bus und es lassen sich keine Fenster öffnen. Wir schlafen also mehr oder weniger wieder nur im Top und ohne Socken. Die Luft im Bus ist wirklich fürchterlich… Um bereits 5 Uhr, früher als geplant, schmeißt uns der Bus im Stockfinsteren am Busbahnhof raus und hier ist ganz schön was los um die Uhrzeit! Wir haben leider keine Möglichkeit unser Airbnb über die frühere Ankunft zu informieren, das Internet im Busterminal funktioniert nämlich nicht und so steigen wir auf gut Glück in eins der zahlreichen Taxen. Das wir noch früher als ausgemacht reingelassen werden ist jedoch in dem Moment nicht unsere einzige Sorge, denn nachts ein beliebiges Taxi heranzuwinken ist nicht unbedingt sicher. Zu allem Glück fängt es noch an zu regnen… Doch der Taxifahrer hat nichts Böses im Sinn und lässt uns in einem Wohngebiet für recht gut betuchte Bolivianer raus. Da die Klingel nicht funktioniert, hat unser Airbnb Host uns bereits das WLAN Passwort geschickt, was es einfacher macht das richtige Haus ausfindig zu machen. Nach einem kurzen WhatsApp Anruf dürfen wir um 6 Uhr morgens Einchecken. Wir sind super happy, dass alles geklappt hat und legen uns nochmal ein paar Stündchen schlafen.

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