Tag 6 – Cachi nach Cafayate

Heute steht uns mit 270km der längste und kälteste Tag bevor. Nichtsahnend starten wir morgens mit Sonnenschein und fahren Richtung Nationalpark „Parque Nacional Los Cardones“. Zu Beginn des Parks duftet es herrlich nach dem Meer aus 1000 gelben Blumen.

Ein kleines possierliches Tier überquert schnell vor uns die Straße…eine Hasenmaus? Wir halten und sehen es in den Büschen verschwinden, können es jedoch nicht ganz ausmachen. Eventuell haben wir jedoch im letzten Kaktuswald bereits eine Hasenmaus und keinen dicken Hasen gesehen, auf den Schwanz hatten wir nicht geachtet… Alle die keine Ahnung haben wie eine Hasenmaus aussieht hier ein Bild (leider nur aus dem Internet!).

Der Kandelaberkaktus ist ein gutes Beispiel für die Adaption der Vegetation in solch einer trockenen Region. Sie können Wasser hervorragend speichern, haben tiefe Wurzeln und überleben somit die Dürre. Jedoch sind die ersten 8-10 Jahre eines nur bis zu 5cm großen Kaktus kritisch, da sie kaum Wasser speichern können. Tatsächlich schafft es schätzungsweise nur 1 von 80000 Samen einer Kaktusfrucht zu einem großen Kaktus heranzuwachsen. Überlebenswichtig ist, dass die Saat bei einer „Nanny“, dem Kreosotbusch, keimt. Hier findet der junge Kaktus in den ersten Jahren Schutz vor Sonne, Frost und auch feuchteren Boden. Da die Kandelaberkakteen nur bis 1cm pro Jahr wachsen, könnt ihr euch vorstellen wie alt die Riesen in diesem gigantischen Kaktuswald hier sein mögen. Die größten erreichen eine Höhe von bis zu 10m!

Auch wenn es deutlich mehr Kilometer sind, haben wir uns entschieden heute nicht weiter auf der Schotterpiste Richtung Süden zu fahren, sondern einen der schönsten in Argentinien gelobten Pässe zu überqueren. Wir fahren also auf der Route 33 zunächst grob Richtung Salta und dann auf Asphalt am Nachmittag runter nach Cafayate. Die Straße steigt steil an als wir den Nationalpark verlassen und die Sonne verschwindet hinter dichten Wolken. Wir müssen anhalten um eine zweite Hose und Jacke anzuziehen. Kurz später fahren wir durch dicke Nebelwolken und haben kaum noch Sicht. Es sind gefühlte -20 Grad und der Wind eiskalt. Wir frieren uns den Arsch ab und besonders Ulrike ist nur noch ein Eiszapfen. Nachdem wir den höchsten Punkt des 3400m Passes „Cuesta del Obispo“ überwunden haben, lichten sich die Wolken ein wenig und geben teils Sicht auf das saftgrüne Tal frei. Wir sind plötzlich wieder in einer völlig anderen Welt! Wir halten nochmal und Ulrike zieht noch Simons kurze Hose drüber plus Windbreaker. Zum Glück hatten wir von Carlos ein zweites paar Handschuhe für sie geliehen. Simon genießt die kurvenreiche Fahrt während Ulrike sich nur noch auf einen heißen Tee freut.

Wir erreichen unseren Zwischenstopp El Carril erst gegen 15 Uhr, als die Mittagsessenzeit schon vorbei ist. Nach etwas suchen haben wir Glück und finden ein Restaurant, dass uns als letzte Gäste bedient. Ein heißer Tee und Hähnchen mit Gemüse aus dem Ofen wärmen uns auf. Zum Nachtisch gönnen wir uns noch ein Stück „Torta de Rogel“, die quasi nur aus Dulce de Leche zwischen Keksschichten besteht. Gut das wir nur 1 Stück bestellt haben, denn es ist riesig und mächtig…aber leider geil!

Die letzten 120km bis Cafayate machen wir nun Strecke und halten nur kurz, da wir übermorgen den gleichen Weg zurück nach Salta nehmen werden. Trotz der bereits langen Fahrt genießt es Simon sich in jede Kurve zu legen. Es ist eine der schönsten Motorradfahrstecken und ab El Carril endlich wieder komplett auf Asphalt.

Wir hatten uns zum Glück bereits eine schnuckelige Cabaña in Cafayate vorgebucht und machen uns einen gemütlichen Abend. Und heute Nacht träumen wir sicherlich von Kakteen.

Tag 7 – Winzerstädtchen Cafayate

Cafayate liegt im Valles Calchaquíes im höchstgelegensten Weinbaugebiet der Welt und ist nach Mendoza Argentiniens zweitgrößte Weinregion. Auf ca. 4000 Hektar werden Trauben zwischen 1700 und 2800 Metern angebaut. Das Klima hier eignet sich trotz der Höhe mit 360 Sonnentagen im Jahr und ausreichend Wasser aus den umliegenden Bergen hervorragend. Eine Spezialität von Cafayate sind Weißweine aus der Torrontés Riojano-Traube, die jung und frisch getrunken werden. Sie finden auch international immer mehr Liebhaber und werden heute 2 neue Fans gewinnen.

Bevor wir mit unserer heutigen Weinverkostungstour starten, gibt es erstmal argentinisches Frühstück im Hotel mit den leckeren süßen Hörnchen. Wir wollen zunächst ein paar außerhalb liegende Weingüter besichtigen und nach dem Mittagessen das Motorrad abstellen. Unsere Unterkunft ist zentral gelegen und viele kleine Winzer bieten Führungen und Verkostungen fußläufig von uns an. Das ist sehr praktisch! Denn auch wenn man uns sagte in der Stadt Cafayate gäbe es keine Polizeikontrollen auf Alkohol, liegt die Promillegrenze in der Region Salta bei 0%. Don’t drink and drive! In Deutschland fährt fast immer Ulrike, nun darf Simon erstmal nur nippen. 😜

Als erstes steuern wir das Weingut Quara an, dass ein kleines Alpaka auf dem Etikett hat. Es gibt keine offizielle Führung auf Englisch, aber eine liebe Angestellte gibt ihr Bestes uns eine private Tour in Spanenglisch anzubieten. Anschließend kosten wir zwei Weine, kaufen hier jedoch zunächst nichts, weil wir erstmal vergleichen wollen. Am Preis liegt es jedoch keinesfalls, da die Weine bei den Bodegas ab ca 1,20 EUR zu erwerben sind. Die Argentinier laden sich den ganzen Kofferraum voll…

Über eine sandige Piste geht es hinauf zum Yacochuya Weingut und das letzte Stück ist mit einer Cardones Kakteenallee bewachsen. Die Aussicht von hier oben ist fantastisch und das Weingut ein richtig friedlicher und idyllischer Ort. Wir finden die Kombination von Weinreben, Kandelaberkakteen und Lavendel eine außergewöhnlich schöne Kombination!

Wir halten uns nicht so lange auf, da wir noch an einen weiteren Aussichtspunkt fahren wollen. Wir schlängeln uns auf sandiger Piste einen Weg auf der anderen Seite von Cafayate hinauf, als plötzlich 6 Polizisten hinterm Gebüsch rausspringen. Hier ist keine Durchfahrt! Mit einem seltsamen Gefühl machen wir also kehrt und fragen uns was die Polizisten dort in der Pampa bewachen, wo eigentlich der Aussichtspunkt in der Pampa sein soll? Egal, wie geplant stoppen wird fürs Mittagessen beim Weingut „Finca de las Nubes“. Wir sitzen in einem herrlich angelegten Garten mit Blick über Cafayate und essen ein köstliches Steak begleitet von argentinischer Musik. Es soll das beste argentinische Steak auf unserer Reise sein und im Nachhinein bereuen wir es, uns nur eins geteilt zu haben! 🙈

Nachdem die offizielle Siesta vorbei ist und die meisten Weingüter um 15-16 Uhr wieder öffnen, stellen wir das Motorrad ab und setzten ein richtiges Tasting im Städtchen fort. Die Bodega Nanni ist eine kleine Biowinzerei bei uns um die Ecke und vor der „Degustation“ machen wir hier eine Tour, die von einem Guide zweier Touristen zum Glück für alle auf Englisch übersetzt wird.

Die Bodega Nanni ist eine der bekanntesten Weingüter Cafayates und produziertet recht große Mengen für eine Biowinzerei. Da der Torrontés am besten jung getrunken wird, benötigt er keine Lagerung im Fass und kann nach 2 Monaten im Stahltank bereits abgefüllt werden. Nerdfact: Um den Hefe- und Zuckergehalt bei der Gärung zu balancieren wird in den Tanks pro 100l Traubensaft 1 Eiweiß hinzugefügt. Das Eiweiß bleibt aber natürlich nicht im Wein, sondern bindet die Trübstoffe und setzt sich ab.

Nach der Führung kaufen wir ein Degustationspaket, das die die Verkostung von 5 weißen und roten Weinen beinhaltet. Auch wenn Cafayate für seinen ausgezeichneten Weißwein bekannt ist, überrascht es doch auch so viele Rotweine vorzufinden. Tannat ist eine rote Weinsorte, die wir hier neben dem klassischen Malbec etc. entdecken. Es ist ein roter Wein mit viel Tannin und starken Vanille-, Schokoladen- und Tabakaromen. Simon schmeckt er ganz gut, aber Ulrike findet keinen Gefallen daran. Der uns bis vor ein paar Tagen unbekannte Torrontés hingegen ist ein ganz ausgezeichneter Weißwein, der einen intensiv fruchtigen Geruch hat und trotzdem trocken schmeckt. Wobei es natürlich auch die pappsüße Variante gibt. Der klassische, weiße Torrontés der Bodega Nanni ist unser absoluter Favorit geworden, wobei der Rosé auch fein schmeckt. Hochkonzentriert vergessen wir völlig ein Foto von unserer Lieblingssorte zu schießen…

Bei der Degustation lernen wir Julian und Katha aus Deutschland kennen und verbringen den Rest des Tages mit den beiden. Zufällig wollen sie nämlich auch im Anschluss noch die Bodega Domingo Hermano besichtigen und hatten sich bereits zur Tour angemeldet. Das die Tour diesmal auf Spanisch ist finden wir nicht schlimm, da wir das Meiste bereits bei den vorherigen Touren gelernt haben. Zu viert macht die weitere Degustation natürlich noch viel mehr Spaß und bei Domingo Hermano wird zum roten Malbec sogar Ziegenkäse verkostet.

Wir verbringen einen tollen Abend mit Käseplatte und Wein in einer Weinstube am Hauptplatz und kommen erst um 2 Uhr ins Bett. Und vielleicht haben wir die beiden mit dem Reisefieber angesteckt und inspiriert über eine längere Auszeit nachzudenken. Grüße nach Deutschland ihr Lieben!

Tag 8 – Cafayate nach Salta

Wir kommen erst später als üblich los, weil wir zunächst noch die Ziegenfarm „Cabras de Cafayate“ besichtigen (natürlich lag es nicht am guten Wein!).

Eine Ziege produziert bis zu 2l Milch am Tag (eine Kuh ca.a 10l) und hier wird daraus köstlicher Ziegenkäse produziert! Nach der Führung durch die Ställe und kleine Produktion dürfen wir verkosten. Besonders schmeckt uns die Variante mit mediterranen Kräutern und wir nehmen eine Packung mit. Mit über 3 EUR ist sie deutlich teurer als der Ziegenkäse vom Markt, aber er schmeckt ganz mild und fein.

Für den Rückweg nach Salta nehmen wir uns heute richtig Zeit. Auf dem Hinweg waren wir die Strecke nur schnell gerast. Die Sonne brennt heute ganz schön und es ist vermutlich der heißeste Tag bislang. Die Strecke führt durch die spektakuläre, wilde Landschaft mit roten und ockerfarbenen verwitterten Sandsteinformationen. Die „Quebrada de Las Conchas“ mit einzigartigen Felsformationen liegen quasi direkt am Weg. Eine längere Wanderung in den Felsen machen wir hier jedoch nicht, da wir ja alle Wertsachen auf dem Motorrad dabei haben und es nicht unbeaufsichtigt lassen wollen.

Für einen kleinen Fotostop müssen wir natürlich im Örtchen Alemanía halten. Viel zu entdecken gibt es hier jedoch nicht.

So langsam bekommen wir Hunger und zufällig landen wir im weit und breit einzigen und, wie wir erst später herausfinden, super beliebten Restaurant „Posta de Charabas“. Hier gibt es feine Gerichte mit Ziegenkäse aus eigener Produktion und selbstgebackenem Kuchen. Wir sitzen im gemütlichen Garten und entspannen. Kaum werden Gemüsetarte und selbstgemachte Ravioli serviert, wittert eine Ziege ihre Chance. Sie streckt den Kopf nach Beilagensalat und Brot aus und springt dann ganz auf den Tisch. Wir können grad noch unsere Teller retten, aber das Brot fällt ihrer schnellen Zunge zum Opfer. Zum Glück holt die Kellnerin die Ziege vom Tisch und sperrt sie in den Stall, damit wir unser Essen nun lachend genießen können.

Bei selbstgebackenem Kuchen können wir nicht nein sagen und ein Kaffee wäre auch fein. Wir müssen zugeben ganz große Fans von Kuchen und Gebäck in Südamerika zu sein. Wer hätte gedacht das es hier sogar Apfelstrudel gibt! Schmeckt wie in Österreich, auch wenn er hier ohne Vanillesauce oder Eis serviert wird.

In der Ferne sehen wir einen riesigen See unweit der eigentlichen Route und fahren spontan hin. Zwei nette Polizisten winken uns auf der schmalen Landstraße heran und wir kramen Führerschein und Papiere aus der Box, damit sie kurz einen Blick drauf werfen können. Bisher wurden wir bei allen Polizeikontrollen durchgewunken und hier gibt es echt viele! Jeden Tag passieren wir mehrere Kontrollstellen mit Pylonen abgegrenzt und müssen auf 20kmh abbremsen. Das Interesse gilt hier jedoch weniger den Touristen, sondern wir vermuten das es an der Nähe zu der chilenischen und bolivianischen Grenze liegt. Ein paar Kilometer weiter erreichen wir schließlich den See. Der „Lago Cabra Corral“ scheint ein Ferienhausdomizil für reiche Argentinier zu sein und es stehen ein paar Villen mit tollen Gärten am Ufer. Erinnert uns ein bisschen an den Bodensee! Es gibt auch wenige Unterkünfte im Vorort, jedoch kaum mit direktem Seezugang. Wir überlegen kurz ob wir spontan eine Nacht hier bleiben wollen und das Motorrad erst morgen früh abgeben. Jetzt baden zu gehen klingt zu verlockend! Wir fahren zu einem Campingplatz und fragen nach, jedoch hat er nur Stellplätze und keine Cabañas. Schade, denn hier unten am Ufer ist es richtig schön. Wir fragen ob wir uns denn kurz abkühlen dürften, denn es ist spätnachmittags immer noch ziemlich heiß. Schnell schlüpfen wir in die Badesachen und spielen mit den Hunden im Wasser. So erfrischend! Als ein bisschen später 4 andere Touristen hier schwimmen gehen, werden sie zur Kasse gebeten. Wir sind froh mittlerweile ein paar spanische Worte zu sprechen, um erstmal höflich etwas erfragen zu können. Wir zahlen nix für unsere Abkühlung.

Als wir bemerken, dass die ersten fiesen Mücken zugebissen haben (die kleinen „Fruchtfliegen“, deren Bisse tagelang höllisch jucken) machen wir schnell die Biege. Die letzten Kilometer bis Salta fahren wir nun durch. Wir hatten es offen gelassen, ob wir das Motorrad abends oder am nächsten Morgen abgeben. Nachdem wir vergebens in einem großen Supermarkt neues Eiweißpulver gesucht und völlig die Zeit beim Einkaufen verloren haben, entscheiden wir um 21 Uhr die Abgabe zu vertagen und parken das Motorrad im Hostelflur. Hier sollte es sicher stehen, doch das Hostel selbst ist ein ziemlicher Fail. Dazu jedoch im nächsten Blog mehr.