Chile đŸ‡šđŸ‡±

ein Abstecher in das reichste Land SĂŒdamerikas

Wusstet ihr das Chile eins der schmalsten LĂ€nder der Welt ist? Am breitesten Punkt sind es gerade mal 240km! Es ist außerdem auch eins der lĂ€ngsten, mit unterschiedlichsten Landschaften und Klimazonen. Schade das wir nicht mehr „Zeit“ haben bis in an den sĂŒdlichsten Zipfel nach Feuerland zu reisen, aber dies steht fĂŒr eine andere Reise auf unserer Liste. Wir werden diesmal nur im Norden die Gegend um die AtacamawĂŒste erkunden und vorher ein ein paar schöne StrĂ€nde auschecken.

Arica

Chillige Grenzstadt am pazifischen Ozean

Ohne Chilenische Peso im Portemonnaie und einen Plan wie wir zum Airbnb an den Strand gelangen, stehen wir am Hauptbahnhof in Arica. Keiner kann uns sagen wo es eine „banco“ gibt und die Wechselstube hat zu. Wir laufen zum benachbarten nationalen Busterminal und finden hier zum GlĂŒck einen Geldautomaten. Denn ohne Moos nix los…kein Bus, Taxi oder Abendessen. Nachdem wir uns kurz orientiert haben und feststellen mĂŒssen, dass hier eigentlich gar keine Collectivos fahren, entscheiden wir uns erst etwas essen zu gehen. Rund um einen Bahnhof gibt es meist zahlreiche, gĂŒnstige Optionen und wir werden schnell fĂŒndig. Ein MenĂŒ fĂŒr 3000 Peso / 3,50 EUR hatten wir gar nicht erwartet, da man ĂŒberall liest es sei so teuer in Chile. Wir teilen uns ein MenĂŒ und es schmeckt fantastisch. Es gibt eine Art Minestronesuppe mit HĂ€hnchen und richtig leckere Spaghetti mit GemĂŒsesauce und ebenfalls HĂ€hnchen. Wir kommen bestimmt wieder!

Wir stellen uns gegenĂŒber an die Bushaltestelle und gucken mal was so fĂŒr Busse vorbeikommen. Keiner fĂ€hrt in unsere Richtung…hmm ok dann laufen wir erstmal vorne zur Mall an die Kreuzung und schauen, ob es dort noch eine andere Haltestelle gibt. Was uns direkt positiv auffĂ€llt sind die Autos, die FußgĂ€nger ĂŒber die Straße lassen. In Peru musste man höllisch aufpassen denn da bremst niemand fĂŒr FußgĂ€nger, nicht mal am Zebrastreifen oder bei grĂŒner FußgĂ€ngerampel. Fast schlimmer als in Hanoi! 😂 Normalerweise gönnen wir uns mit GepĂ€ck bei An- und Abreise ein Taxi oder Ähnliches. Heute sind wir aber irgendwie zu geizig und haben eh den ganzen Tag nur im Bus gesessen. Da wir keinen Bus ausfindig machen können, entscheiden wir unten an der Strandpromenade die 2,5km zum Airbnb zu laufen. So können wir direkt ein paar EindrĂŒcke vom neuen Land aufschnappen sowie die ersten „Beachvibes“ mit tiefstehender Sonne. Wir mussten die Uhr in Chile 2 Stunden vorstellen und in der Sommerzeit ist es hier daher bis 20 Uhr hell. WĂ€hrend wir an der Promenade entlanglaufen, steigt uns der Duft von frischen Churros in die Nase. Viele Leute stehen an dem Foodtruck an und auch wir ziehen eine Nummer. Es gibt so viele verschiedene Churrovariationen und diese hier sind ein riesengroßer Kringel, der nach dem Ausbacken in StĂŒcke geschnitten und mit einer Menge Puderzucker serviert wird. Achtung heiß und fettig!

Emilio wartet bereits an der Kreuzung auf uns und hilft uns beim Einchecken. Wir haben ein großzĂŒgiges und sauberes Zimmer mit Doppelbett, KĂŒhlschrank und extrem viel AblageplĂ€tzen, was wirklich selten zu finden ist. Unser großes, externes Badezimmer erreicht man ĂŒber einen kleinen Innenhof mit Sitzmöglichkeit und WĂ€scheleinen. Das Beste an der Unterkunft sind jedoch die 2 alten Mountainbikes, mit denen wir direkt zum Sonnenuntergang an den 3 Blocks entfernten Strand fahren. Es ist toll so schnell und flexibel ĂŒberall hinzukommen und so ist auch die 3-4km entfernte Mall und Innenstadt die nĂ€chsten Tage schnell erreicht. Den Sonnenuntergang schauen wir jetzt hier jeden Abend!

Wir schauen im Bett noch ein Filmchen und fĂŒhlen uns richtig wohl. Wo ist nur der Haken bei dieser Unterkunft? Ist es das spanische PĂ€rchen nebenan, dass bereits den ganzen Abend lautstark Liebe macht? 😂 Normalerweise findet man nie eine Unterkunft, bei der alles 200% passt. Aber wir werden heute Abend noch fĂŒndig…plötzlich steht Simon mit meinem Kissen samt Krabbeltier neben mir im Bad. Der „Quetschtest“ zeigt eindeutig – ES IST EINE BETTWANZE – und nun jetzt nur noch ein fetter Blutfleck. Oh F*** und es ist bereits fast 1 Uhr nachts, wohin sollen wir denn jetzt gehen?! Nach erster Sichtung scheint die Matratze lupenrein. HĂ€tten wir das Bett beim Einchecken auf Bettwanzen untersucht, hĂ€tten wir keine Anzeichen gefunden. Kein Fleckchen und quasi wie neu, ebenso die Bettlaken. Zwischen den beiden dicken Matratzen findet Simon jedoch noch ein Prachtexemplar. Auf Bali waren sie nur halb so groß…schnell fangen wir sie ein und es steht fest: HIER schlafen wir nicht. In Emilios Zimmer brennt noch Licht und mit Bettwanze und der spanischen Übersetzung „Chinche“ bewaffnet, informieren wir ihn ĂŒber den Fund. Er ist ernsthaft ĂŒberrascht und reagiert ganz cool. Nachdem wir zu Dritt keine weiteren Tiere mehr finden konnten, nur eine leere „HĂŒlle“, macht er noch mitten in der Nacht ein anderes Zimmer fĂŒr uns sauber. Wir hatten zum GlĂŒck kaum etwas ausgepackt, unsere Klamotten sind grĂ¶ĂŸtenteils immer luftdicht in PacksĂ€cken gelagert und haben kaum etwas in der NĂ€he des Bettes abgestellt. Sicherheitshalber werden wir aber morgen unser Zeug in schwarzen TĂŒten in der Sonne im Hof grillen. Dies hatte sich damals auf Bali als sehr effektiv erwiesen. Erstmal schaffen wir jedoch unser GepĂ€ck ins externe Bad und inspizieren die Matratzen im neuen Zimmer ganz, ganz genau. Wir finden zum GlĂŒck nichts und sind daher bereit mit einem etwas mulmigen GefĂŒhl hier zu schlafen. Ein teures oder sauberes Zimmer sind wie man sieht leider kein Garant fĂŒr bettwanzenfreies Schlafen. Bettwanzen diskriminieren nicht! Und so sind sicher 2/3 Bettwanzen aus dem GepĂ€ckstĂŒck des Vormieters hier rausgeschlĂŒpft und hatten sich noch nicht allzu breit gemacht. Leider ist das neue Zimmer wesentlich kleiner und hat 2 Einzelbetten, was wir aber mitten in der Nacht gern in Kauf nehmen. Als wir grad versuchen wollen uns schlafen zu legen, es ist nun bereits 2 Uhr frĂŒh, entdeckt Ulrike eine Spinne an der Wand. Panik macht sich breit, denn vor ein paar Tagen hatte sie zufĂ€llig gelesen, dass es sehr giftige Spinnen in SĂŒdamerika gibt. Sie sind mit bis zu 2cm und brauner Farbe recht unscheinbar und leben in geschĂ€tzt in jedem 3 chilenischen Haushalt. Die Spinne ist zwar nicht aggressiv, jedoch gibt es regelmĂ€ĂŸig UnfĂ€lle, da Leute sie schier ĂŒbersehen wenn sie in eine dunkle Ecke greifen oder sich eine im KleidungsstĂŒck versteckt. Mit Bissen muss man sofort ins Krankenhaus, da das Gift dieser kleinen Spinne das Gewebe zersetzt und Menschen bei fehlender Behandlung sogar sterben. Simon tötet grundsĂ€tzlich keine Spinnen, aber ich habe ihn zu dem Deal verpflichtet, dass wir bei einer braunen Spinne in entsprechender GrĂ¶ĂŸe keine Ausnahmen machen werden. Wer will da prĂŒfen ob die giftige Spinne nur 6 statt 8 Augen hat? Nach Ulrikes Devise ist nur eine tote Spinne eine gute Spinne und so erledigt Simon sie mit seinem Schlappen. Na dann mal gute Nacht nach der ganzen Aufregung heute Abend!

Wie ihr euch vorstellen könnt, schlafen wir erstmal recht lange. Zumal wir die 2 Stunden Zeitverschiebung drauf rechnen mĂŒssen. Im Minimarkt um die Ecke hatten wir bereits gestern Abend fĂŒr ein ausgiebiges FrĂŒhstĂŒck eingekauft, dass nun Mittagessen in einem ist. Wir waschen WĂ€sche, packen unser Zeug in schwarze TĂŒten und Brunchen erstmal gemĂŒtlich. Dann fahren wir zum Strand und leihen uns einen großen Schirm. Wir machen uns einen chilligen Nachmittag am Strand. Das Wasser ist zwar eiskalt und der Wind blĂ€st recht stark, wir genießen es aber wieder am Meer zu sein. Wir machen nicht mehr viel, außer am Abend nochmal in die Stadt zu radeln und ein MenĂŒ mit Suppe und leckerem Spinatauflauf zu essen.

Neuer Tag, neues GlĂŒck. Wir fĂŒhlen uns auf 0m ĂŒber Meeresspiegel super fit und radeln nach dem FrĂŒhstĂŒck ins Gym. Es ist mit Abstand das schlechteste und dafĂŒr teuerste Gym, aber immerhin gibt es heute keine Latino-Musik. Unsere RĂ€der warten draußen auf uns! Sie sind mit fetter Kette und VorhĂ€ngeschloss gesichert. Die Suche nach einem Laden fĂŒr Sportnahrung, also Eiweißpulver, und einem eiweißreichen Mittagessen fĂŒhrt uns ins nahegelegene Stadtzentrum. Wir werden in einer Polleria fĂŒndig und verdrĂŒcken fast ein ganzes HĂ€hnchen. Es ist sogar gĂŒnstiger als in Peru! Um den Bahnhof herum war uns die „asoziale“ AtmosphĂ€re bereits aufgefallen und auch hier in der Stadt sind viele Penner, Betrunkene oder DrogenabhĂ€ngige nebst ranzigen SĂ€uferlĂ€den zu finden, quasi ein „Frankfurter Bahnhofsviertel ohne Rotlicht“ und das mitten am Tag. Im Gegensatz zu Peru, wo wir auch immer fröhlich und unbekĂŒmmert durch alle Stadtviertel gelaufen sind, gab es irgendwie nicht so viel „Abschaum der Gesellschaft“. Auch wenn Chile grundsĂ€tzlich ein wohlhabenderes Land ist, scheint die Kluft zwischen Arm um Reich noch grĂ¶ĂŸer zu sein. Wir haben auf jeden Fall in der Stadt ein mulmigeres GefĂŒhl als bisher und die Wertsachen noch besser im Blick. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir gefĂŒhlt mehr beobachtet werden, da wir die einzigen „Gringos“ weit und breit sind und man den Anblick von Touristen nicht so sehr gewohnt ist.

Einen richtig guten Deal fĂŒr 2×1 kg Eiweißpulver zum Preis von einem machen wir nach einigem Suchen schließlich im Supermarkt. Zwar hĂ€tten wir lieber einen Beutel gekauft, da er sich besser im Rucksack verstauen lĂ€sst, doch es gab nur SĂ€cke mit 3kg und mehr. Die zwei Dosen sind jedoch nur halb hoch gefĂŒllt und so gibt es nicht nur 2 fĂŒr 1 sondern umgefĂŒllt 2 in 1. Eine Dose bekommen wir locker im Rucksack verstaut und werden es auch nicht in eine TĂŒte oder so umfĂŒllen…könnte bei der nĂ€chsten Grenzkontrolle imqa „Kokainkontinent“ SĂŒdamerika etwas komisch aussehen… Der Supermarkt ist jedenfalls richtig gut sortiert und neben einer krass bestĂŒckten Kuchentheke, finden wir sogar deutschen Christstollen. Simon entdeckt eine riesige Theke voll brasilianischen und argentinischem Rindfleisch zu unschlagbar gĂŒnstigen Preisen. Fast hĂ€tte ich ihm hier ein Zelt zum Übernachten aufbauen mĂŒssen! 😂 Aber wir machen einen Deal – die nĂ€chste Unterkunft hat einen Grill! Da die Brötchen in Chile viel besser aussehen als in Peru und es eine ordentliche Auswahl an KĂ€se, Schinken und GĂŒrkchen an der Frischetheke gibt, machen wir heute deutsches Abendbrot im Bett.

Auf die Nachfrage, ob wir eine Nacht verlĂ€ngern könnten, hatte Emilio uns angeboten wegen der Unangenehmlichkeiten mit den Bettwanzen diese nicht zu berechnen – top! Heute ist wohl nationaler Demonstrationstag in Chile und wer weiß ob wir mit dem Bus ĂŒberhaupt weggekommen wĂ€ren. Außerdem finden wir es hier echt chillig. 😎 Am letzten Tag vertreiben wir uns also den Vormittag mit Recherche und Zimmerbuchung und gehen dann nochmal an den Strand. Von Demos ist in dem ruhigen Wohnviertel und am Strand nichts zu merken. Da es schon etwas spĂ€ter ist, lohnt es sich nicht mehr einen Schirm zu leihen und Simon baut uns kurzerhand einen schattigen Unterschlupf. Wir beobachten eine Gruppe Pelikane, die ganz nah am Strand fischt und dösen ein bisschen im warmen Sand.

SpĂ€ter fahren wir nochmal zum Abendessen bei Sonnenuntergang auf die Promenade. Wir probieren einen „Completo“, die chilenische Version eines Hotdogs, der hier sehr beliebt ist und an jeder Ecke zu kaufen gibt. Er wird traditionell mit Sauerkraut, Avocadocreme und verschiedenen Saucen serviert. Die lilafarbene ist Olivenmayo und unser Favorit, den wir euch bestimmt auch mal zu Hause zum Grillen servieren werden. Wir hatten noch mit den leckeren Churros geliebĂ€ugelt, aber vielleicht hat dieser Foodtruck so wie auch ein paar andere wegen den Demos heute geschlossen.